Eigentlich sollte sich ein Unternehmen freuen, wenn sein Produkt vor dem Flugzeugstart noch einmal extra über die Bordlautsprecher erwähnt wird. Und das sogar, ohne dass dafür bezahlt worden wäre. Doch für Samsung und sein Smartphone Galaxy Note 7 war diese Situation im vergangenen Jahr der GAU: Die Smartphones der Serie wurden von vielen Fluglinien verboten, weil sie gefährlich waren, da sich der Akku entzünden konnte.

Es war das bislang größte technische Debakel in der mittlerweile gut zehnjährigen Geschichte von Smartphones. Als im August vergangenen Jahres kurz nach dem Verkaufsstart des Note 7 einzelne Geräte in Flammen aufgingen, tauschte Samsung die Smartphones noch aus und sprach von Einzelfällen. Doch aus wenigen Fällen wurden viele, Menschen verbrannten sich die Hosen und auf Flugzeugsitzen begann es zu schmoren. Nach mehreren Rückruf- und Austauschaktionen stellte Samsung im Oktober schließlich die komplette Produktion ein. Alle Käufer sollten ihr Note 7 zurückgeben.

Im Januar stand nach mehrmonatiger Untersuchung und nicht wirklich überraschend fest: Produktionsfehler bei den Akkus hatten dazu geführt, dass diese sich entzünden können. Zu diesem Zeitpunkt hatte Samsung bereits mehr als drei Milliarden US-Dollar Gewinn abgeschrieben. Der Ruf der Note-Serie war dahin, die Zukunft ungewiss.

Neuanfang mit dem Galaxy Note 8

Für einen anderen, spezialisierten Hersteller wäre das wohl das wirtschaftliche Ende gewesen. Doch Samsung hatte Glück. Zum einen weil der südkoreanische Mischkonzern nicht allein auf seine Smartphonesparte angewiesen ist und die Verluste abfangen konnte. Zum anderen, weil die fehlerhaften Akkus eben nur das Galaxy Note betrafen, aber nicht das Galaxy S. Die Vorstellung des Galaxy S8 im Februar kam dann auch zum richtigen Zeitpunkt: Mit einem neuen Design und beeindruckendem Bildschirm konnte es die Käufer und Tester überzeugen aktuellen Marktanalysen zufolge war das S8 im zweiten Quartal das meistverkaufte Smartphone weltweit. Das Galaxy Note 7 schien vergessen.

Bis jetzt. Am Mittwoch wagte Samsung einen Neuanfang und stellte in New York das Galaxy Note 8 vor. Ganz so leicht will das Unternehmen den Markt mit den sogenannten Phablets – Smartphones mit besonders großem Bildschirm – der Konkurrenz von Huawei, Apple oder Google doch nicht überlassen. Viele Hersteller sehen weiterhin großes Wachstumspotenzial in der Phablet-Nische.

"Wir werden die Ereignisse aus dem vergangenen Jahr nie vergessen", sagte DJ Koh, Chef von Samsungs Mobilfunksparte, zu Beginn der Vorstellung. Man habe die Kunden enttäuscht. Gleichzeitig aber sei die Unterstützung so groß gewesen, dass man weiterhin an den Erfolg der Note-Serie glaube.

Phablet mit Top-Ausstattung

Das Galaxy Note 8 folgt dem Design des Galaxy S8, unterscheidet sich aber dennoch in einigen Punkten. So ähneln sich zwar die gläserne Rückseite und der Aluminium-Rahmen. Der Bildschirm ist an den Seiten leicht gekrümmt und nutzt die Vorderseite des Geräts ebenso wie beim S8 fast vollständig aus. Mit einer Größe von 6,3 Zoll bei einer Auflösung von 2.960 mal 1.440 Pixeln ist er allerdings noch etwas größer als der vom S8 Plus. Wer das S8 und das Note 8 nebeneinander hält, bemerkt die etwas weniger abgerundeten Ecken, was dem Gerät ein insgesamt wuchtigeres Aussehen gibt.

Der Eindruck bestätigt sich auch in der Hand. 40 Gramm mehr als das normale S8 klingen nicht nach viel, doch im direkten Vergleich wirkt das Note 8 noch einmal mächtiger. Das gilt auch für die technischen Spezifikationen: Sechs Gigabyte Arbeitsspeicher sind zwei mehr als im S8 und wahlweise ist das Modell mit 128 oder 256 Gigabyte Speicherplatz verfügbar, der über einen SD-Karte erweitert werden kann. Der Achtkernprozessor ist der gleiche wie im S8. Das IT-Portal The Verge vergleicht die technischen Details mit denen anderer Phablets.