Das iPhone X ist Apples Weihnachtsgeschenk an sich selbst. Der Kundenansturm ist schon jetzt so groß, dass alles nach einem Erfolgsmodell aussieht – obwohl oder gerade weil es nach drei Jahren das erste radikal neue iPhone ist und obwohl es noch keinerlei ausführliche Testberichte gibt.

Rund eineinhalb Stunden nach dem Start der Vorbestellungen stieg die Wartezeit bis zur Auslieferung jedenfalls auf fünf bis sechs Wochen. In Deutschland stürzte unter der Last der Anfragen das System für die Bearbeitung von Ratenzahlungen im Apple Store ab.

Dem gegenüber steht aber möglicherweise auch ein zunächst eher kleines Angebot: Nach Schätzungen des Analysten Ming-Chi Kuo von KGI Securities wird Apple bis Weihnachten nur 20 bis 30 Millionen Geräte des iPhone X auf den Markt fertig und zum Verkaufsstart nur um die drei Millionen verfügbar haben. Laut Berichten von Medien und Analysten sorgten zuletzt Engpässe bei Sensoren für das System zur Gesichtserkennung (Face ID) dafür, dass die Produktion langsamer anfuhr als geplant.

Nur wenige bekommen das iPhone X schon am 3. November

Das Weihnachtsgeschäft mit frischen iPhone-Modellen ist für den Konzern traditionell die lukrativste Zeit. Vor einem Jahr machte Apple in dem Quartal einen Rekordumsatz von 78,4 Milliarden Dollar und machte dabei einen Gewinn von 17,9 Milliarden Dollar. Insgesamt wurden 78,3 Millionen iPhones gekauft. Die Telefone machten damit in diesem recht typischen Weihnachtsquartal über zwei Drittel des gesamten Apple-Geschäfts aus.

In diesem Jahr läuft jedoch einiges anders: Apple stellte die neuen iPhones zwar wie gewohnt im September vor. Aber in den Handel kamen zunächst nur das iPhone 8 und das 8 Plus. Die beinhalten zwar einige technische Neuerungen, darunter kabelloses Aufladen nach dem Qi-Standard, unterscheiden sich äußerlich aber nicht von den den drei Vorgängergenerationen. Marktbeobachtern zufolge sind die Verkäufe nur mäßig, weil viele Apple-Enthusiasten auf das spektakulärere iPhone X gewartet haben.

Die aber ließ Apple am Freitag zunächst warten. Die Website wurde für zahlreiche Interessenten erst rund zehn Minuten nach der angekündigten Zeit 9.01 Uhr (MESZ) freigeschaltet. Die Lieferzeit sprang sofort auf zwei bis drei Wochen hoch. Damit konnten nur wenige Kunden einen Auslieferungstermin zum Marktstart am 3. November ergattern.

Google will Display-Probleme mit dem Pixel 2 XL beheben

Das iPhone X © Patrick Beuth / ZEIT ONLINE

Das iPhone X ist mit einem Startpreis von 1.149 Euro in Europa und 999 Dollar vor Steuern in den USA das teuerste, das Apple bisher auf den Markt gebracht hat. Die Version mit 256 Gigabyte Speicher kostet bei Apple sogar 1.319 Euro. Noch mehr verlangt der Provider O2, dort kostet das Modell ohne Mobilfunktarif 1.441 Euro.

Das iPhone X konkurriert unter anderem mit Samsungs Galaxy S8 und S8+, Huaweis großem und mit rund 800 Euro deutlich günstigeren Mate 10 Pro sowie mit Googles Pixel 2 und Pixel 2 XL. Letzteres enttäuscht ein wenig, was die Qualität des Displays betrifft. Einige Käufer berichten sogar von eingebrannten Icons (burn-in), die auch sichtbar sind, wenn sie gerade nicht beleuchtet werden.

Google hat mittlerweile auf die Kritik reagiert und Software-Updates in Aussicht gestellt. Die sollen zum einen ermöglichen, Farben auf dem Oled, das von LG produziert wird, kräftiger erscheinen zu lassen, zum anderen sollen sie die Burn-in-Effekte mindern beziehungsweise maskieren. Google behauptet zwar, dass sich die Pixel-2-Displays nicht anders verhielten als die von Konkurrenzgeräten. Dennoch verlängert das Unternehmen zusätzlich zu den Software-Updates die Garantie für die Pixel-2-Modelle auf zwei Jahre.