Nach der Übernahme von Nextbit war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis der Gaming-Hersteller Razer neben Notebooks auch ein eigenes Smartphone produzieren würde. Anfang November 2017 war es dann so weit: Das Razer Phone soll sich – passend zum restlichen Portfolio des Herstellers – explizit für Mobile Gaming eignen. Dafür hat es neben dem Display mit hoher Bildschirmfrequenz auch eine automatische Anpassung derselben an die aktuelle Bildrate, was zu einer flüssigeren Darstellung führen soll, sowie Stereolautsprecher.

Was im Test zuerst auffällt: Das Gerät ist ein ziemlich wuchtiges Smartphone. Die Maße entsprechen in etwa denen des iPhone 8 Plus, das allerdings einen kleineren Bildschirm hat. Das Display des Razer Phones ist 5,72 Zoll groß, aber "randlos" ist das Smartphone verglichen mit anderen aktuellen Topgeräten wie Samsungs Galaxy Note 8, dem LG G6 oder dem Huawei Mate 10 deshalb nicht, im Gegenteil.

Breiter Stereoklang macht sich bei Spielen gut

Die breiten Ränder haben einen Grund. In ihnen hat Razer jeweils einen Lautsprecher untergebracht, das Smartphone kann entsprechend Stereosignale abspielen. Der Klang ist daher sehr räumlich, was besonders bei Filmen und Spielen vorteilhaft ist. Das Gerät unterstützt Dolby Atmos, die Klangeinstellung kann in der Atmos-App der jeweiligen Situation angepasst werden ­– die Voreinstellungen sind für unseren Geschmack aber etwas lasch und zu basslos.

Besser wird das, wenn wir in der Dolby-App selbst den Equalizer einstellen. Dann lässt sich ein wesentlich besserer Klang wählen, was zeigt, dass schlicht die Presets nichts taugen. Allerdings müssen wir auch hier den Regler für die Bässe auf Maximum stellen, um an den Bassklang eines iPhone 8 Plus oder Mate 10 heranzukommen.

Dann macht es allerdings auch weitaus mehr Spaß, mit dem Razer Phone Filme zu schauen oder Spiele zu spielen. Verglichen mit den meisten anderen aktuellen Topsmartphones ist der Klang räumlicher, da zwei echte Stereolautsprecher vorn eingebaut sind. Huawei beispielsweise bietet bei seinen jüngsten Smartphones ebenfalls einen räumlichen Klang, indem der Lautsprecher des Hörers mitgenutzt wird. Der Raumklang ist dabei aber nicht mit dem des Razer Phones vergleichbar.

Die breiten Ränder wurden dem Hersteller zufolge auch gewählt, damit das Smartphone beim Spielen im Querformat besser gehalten werden kann. Das ist durchaus ein wichtiger Punkt: Bei Geräten mit den aktuell sehr angesagten schmalen Rahmen gibt es häufig das Problem, mit der Innenseite unserer Hände das Display zu berühren und so Eingaben mit unseren Fingern zu verhindern. Das passiert beim Razer Phone nicht. Allerdings sind die Lautsprecherabdeckungen mit den kleinen Löchern wahre Schmutzfänger.

Höhere Bildwiederholrate in Spielen kaum bemerkbar

Zwischen den beiden Frontlautsprechern sitzt ein 5,72 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 2.560 mal 1.440 Pixeln, das von Sharp produziert wird und Bildfrequenzen von bis zu 120 Hertz unterstützt. Der Unterschied zu einem Smartphone mit 60 Hertz ist besonders in den Menüs, auf dem Startbildschirm oder auch im Browser sichtbar: Inhalte scrollen geschmeidiger. Zudem beherrscht das Razer Phone als erstes Smartphone Q-Sync. Dabei wird die Bildschirmfrequenz kontinuierlich an die Bildrate angepasst, was zu einer flüssigeren Darstellung führen soll.

Zum Start gibt es bereits einige Spiele, die das 120-Hertz-Display und Q-Sync unterstützen, beispielsweise das Rennspiel Gear Club oder das Moba-Spiel Arena of Valor. Wir haben die Spiele zum Vergleich auf dem Pixel 2 XL gespielt und mit dem iPhone X im Zeitlupenmodus bei 120 Frames pro Sekunde gefilmt. Dabei wird die unterschiedliche Frequenz sichtbar.

Im Spiel selbst merken wir mit bloßem Auge aber eigentlich nichts von der höheren Hertzzahl oder Q-Sync. Bei Gear Club finden wir auch nach einem Seiten-an-Seiten-Vergleich nicht, dass sich die Leistung zwischen dem Razer Phone und dem Pixel 2 XL nennenswert unterscheidet – wenn wir nur mit unseren eigenen Augen draufschauen. Die Bäume und Schilder rauschen in gleicher Art und Weise vorbei, auf beiden Smartphones ruckelt die Darstellung nicht.

Nennenswert sichtbar ist der Unterschied zwischen dem 120-Hertz-Display des Razer Phones und dem 60-Hertz-Display des Pixel 2 XL tatsächlich eher bei der Benutzeroberfläche oder Apps, die keine Spiele sind, etwa dem Browser. Dann wirkt die Darstellung flüssiger, was uns bei den von uns ausprobierten Spielen einfach nicht aufgefallen ist. Denkbar ist natürlich, dass in Zukunft noch Spiele folgen werden, bei denen der Unterschied stärker sichtbar ist.