Trübe Aussichten für Wetterinteressierte: Laut einem Urteil des Landgerichts Bonn darf die Warnwetter-App des Deutschen Wetterdienstes nicht länger kostenlos angeboten werden. Die App der Behörde warnt vor Unwettern und liefert zusätzlich Wetterberichte. Das sieht die private Konkurrenz als steuerfinanzierte Wettbewerbsverzerrung – und hat nun zunächst Recht erhalten.

Nach Ansicht des Gerichts verstößt die kostenlose Warnwetter-App des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für Smartphones, Tablets und Computer gegen das Wettbewerbsrecht, weil sie nicht nur amtliche Warnungen verbreite, sondern umfassend über das Wetter informiere. Deshalb müsse der Deutsche Wetterdienst nach den gesetzlichen Grundlagen eine Vergütung verlangen.

Geklagt hatte Wetter Online, ein privater Anbieter einer Wetter-App mit Sitz in Bonn. Wetter Online verlangt für seine App Geld oder zeigt Werbung in der App an, um so mit der App Geld zu verdienen.

Der DWD steigert mit der App seine Bekanntheit

Durch das Anbieten der Warnwetter-App handelt es sich nach Sicht des Gerichts um eine geschäftliche Handlung im Sinne des Wettbewerbsrecht, weil der Deutsche Wetterdienst Dienstleistungen in Konkurrenz zu privaten Unternehmen anbietet. Insoweit handele der Deutsche Wetterdienst nicht hoheitlich, sondern wird als wirtschaftliches Unternehmen tätig. Hierzu sei es unerheblich, dass die Warnwetter-App kostenfrei angeboten wird.

Denn mit der App fördert der Deutsche Wetterdienst sein eigenes Unternehmen, steigert seine Bekanntheit und sein Ansehen auf dem Markt der Wetterdienstleister und damit seine Marktmacht, befindet das Gericht.

Wetterdienst will Warnungen über zeitgemäßes Medium verbreiten

Ein DWD-Sprecher wollte sich zu Konsequenzen zunächst nicht äußern. Erst müsse die vollständige Urteilsbegründung abgewartet werden. Der Deutsche Wetterdienst verfolge mit der App als Behörde aber keine kommerziellen Ziele, betonte er. Es gehe darum, Hintergründe zu Wetterwarnungen über ein zeitgemäßes Medium zu verbreiten, das Menschen wirklich erreiche. So bekämen Bürger die nötigen Informationen, um Wetterwarnungen realistisch einzuschätzen.

Ein Sprecher des Verbandes deutscher Wetterdienstleister begrüßte das Urteil. Der Deutsche Wetterdienst sei mit der App weit über seinen Auftrag hinausgeschossen. Die Behörde solle Daten erheben, aufbereitet zur Verfügung stellen und vor Wettergefahren warnen. Die Warnwetter-App mache weit mehr als das.

Der DWD-Sprecher hielt dagegen, in der App werde absichtlich nur ein geringer Teil der Informationen verbreitet, die der Wetterdienst habe. Dagegen stelle der Deutsche Wetterdienst seit dem Sommer 2017 alle seine Daten kostenlos den privaten Diensten für ihre Arbeit zur Verfügung. Die privaten Wetterdienste in Deutschland kämpften an der falschen Stelle. Die Gefahr für ihr Geschäftsmodell liege nicht bei der deutschen Wetterbehörde, sondern bei internationalen Wetterkonzernen etwa aus den USA.

Gegen das Urteil des Landgerichts Bonn kann der Deutsche Wetterdienst innerhalb eines Monats Berufung einlegen (Az.: 16 O 21/16).