Es ist die Show-Woche der neuen Smartphones in Barcelona. Eines der schönsten, das auf dem diesjährigen Mobile World Congress (MWC) präsentiert wird, wiegt 270 Gramm, ist ein bisschen träge und macht trotz seiner Dual-Kamera eher durchschnittliche Bilder. Dafür sieht es aus wie ein Accessoire aus dem jüngsten Star-Wars-Film und fühlt sich so mächtig an, als könnte man damit auf den Todesstern schießen. Was vermutlich stimmt, denn das Armor X des chinesischen Herstellers Ulefone ist ein sogenanntes ruggedized-Smartphone: Es ist besonders widerstandsfähig, stoß- und wassergeschützt.

In den vergangenen Jahren konnte man auf Veranstaltungen wie dem MWC regelmäßig Outdoor-Smartphones bestaunen. Sie kommen meist von Herstellern wie Ulefone, Blackview, AGM, Kyocera oder der Baggerfirma Caterpillar (die dem Hersteller Bullitt ihren Namen leiht). In der Masse der flachen, rahmen- und schnörkellosen Smartphones, die in Barcelona präsentiert werden, wirken sie, als hätten ihre Hersteller zur Schießerei nicht mal ein Messer, sondern bloß einen Backstein mitgebracht.

Ein Smartphone wie ein Panzer: Das Ulefone Armor X © Ulefone

Klaus Seibold kennt solche Vergleiche und lächelt sie gekonnt weg. Er ist Salesmanager beim französischen Unternehmen Crosscall, das sich auf die Entwicklung von Outdoor-Mobiltelefonen spezialisiert hat und seit vergangenem Jahr seine Geräte auch in Deutschland anbietet. Auf die Frage, wer diese schweren Geräte mit ihrem verstärkten Gummirahmen ernsthaft kauft, hat Seibold eine überraschende Antwort: "Wir bedienen eine Nische, aber diese wächst stetig. Diese Entwicklung können selbst einige namhafte Hersteller nicht von sich behaupten."

Der Markt für Outdoor-Smartphones wächst

Klar, das muss er als Vertreter seines Unternehmens ja sagen. Aber auch die Marktanalysen bestätigen einen positiven Trend im ruggedized-Geschäft: In einer Analyse der Marktforscher von Technavio steht: "Dank neuer Funktionen und leichterer und schmalerer Bauweise werden die Geräte für Verbraucher immer attraktiver." Das Marktforschungsinstitut CCS Insight prognostizierte schon im Sommer ein Wachstum von 25 Prozent für 2017 im Jahresvergleich. Der traditionelle Smartphone-Markt wuchs der Studie zufolge bloß um vier Prozent.

"Der Smartphone-Markt wird dominiert von wenigen Herstellern mit immer ähnlicheren Geräten", sagte CCS-Marktforscher Ben Wood im Gespräch mit der Financial Times. Es sei schwierig, sich abzusetzen, weshalb Firmen die Nische der Outdoor-Smartphones für sich entdecken. So haben inzwischen auch Samsung mit dem Galaxy Active oder LG mit dem X Venture entsprechende Geräte im Sortiment.

Der Wolf im Smartphone

Erleben wir etwa die schleichende Jack-Wolfskinisierung des Handys? Wir erinnern uns: Seit gut einem Jahrzehnt erhalten Outdoor- und Arbeiterklamotten von Firmen wie Jack Wolfskin, The North Face und seit einiger Zeit auch Engelbert Strauss Einzug in die deutschen Innenstädte. Einige Pendlerinnen und Pendler sehen seither aus, als führen sie in die Berge, dabei geht es nur mit der S-Bahn ins Büro. Der atmungsaktive Deuter-Rucksack ersetzt die Brieftasche. Und ohne 300-Euro-Triclimate-HyVent-Goretex-Jacke lässt sich der Nieselregen im April offenbar kaum mehr bewältigen.

Klaus Seibold von Crosscall sieht durchaus Parallelen zu dieser Entwicklung in der Welt der Smartphones: "Was die Kleidungsindustrie in Sachen Outdoor angestellt hat, ist schon faszinierend." Auch in der Technik ließe sich eine gewisse Outdoorisierung beobachten, etwa bei den Actionkameras, die vor einigen Jahren auftauchten und schnell eine breite Käuferschaft erreichten. Man muss nämlich nicht Extremsportlerin oder -sportler im Dienste eines Brauseherstellers sein, um die Vorteile einer kleinen und widerstandsfähigen Kamera schätzen zu lernen.

Anders als bei der Kleidung trumpft bei Outdoor-Smartphones die Funktionalität derzeit noch die modischen Aspekte. Man wird wohl nicht so schnell reihenweise Geschäftsleute in der Bahn sehen, die auf ihren verstärkten 250-Gramm-Smartphones E-Mails beantworten, nur weil diese Geräte auf einmal in sind. Aus Sicht der Brancheninsider macht das aber auch nichts: "Vor allem das Thema Sport wird in den kommenden Jahren in der Branche noch eine wichtige Rolle spielen", sagt Seibold. Zwar sind mittlerweile auch klassische Geräte wie das Samsung Galaxy S9 wassergeschützt. Mit auf das Surfbrett oder auf den Lenker des Mountainbikes möchte aber kaum jemand sein 850-Euro-Gerät nehmen.