Wir befinden uns im Jahre 2018. Auf der ganzen Welt werden immer mehr Smartphones von Huawei verkauft. Auf der ganzen Welt? Nein! Ein von unbeugsamen Amerikanern bevölkertes Land hört nicht auf, dem Eindringling aus China Widerstand zu leisten.

In einer Anhörung des US-Senats am Dienstag warnten die Vertreter der US-Strafverfolgungsbehörde FBI und der Geheimdienste CIA und NSA vor Smartphones der chinesischen Hersteller Huawei und ZTE. Wenn US-Bürger Geräte der Hersteller verwenden, könnte dies ausgenutzt werden, um "Informationen zu modifizieren oder zu stehlen", sagte der FBI-Direktor Christopher Wray. Man sei "zutiefst über die Risiken besorgt, dass ein Unternehmen unter dem Einfluss einer fremden Regierung steht."

Verkaufsverbot auf Druck der Regierung?

Erst vor wenigen Wochen gaben die Mobilfunkanbieter Verizon und AT&T an, Huaweis Spitzenmodell Mate 10 trotz vorheriger Absprachen doch nicht verkaufen zu wollen. Es wird gemutmaßt, die US-Regierung habe politischen Druck auf die Anbieter ausgeübt. Da in den USA rund 90 Prozent aller Smartphones an einen Mobilfunkvertrag geknüpft sind, kommt die Entscheidung nahezu einem Embargo des Mate 10 gleich. Auch weitere Produkte des Herstellers, wie Router und andere Netzwerktechnik, sollen möglichst nicht mehr eingesetzt werden. In Texas soll das sogar per Gesetz verboten werden.

Die Geheimdienstvertreter sagen unverblümt: Die Technik von Huawei sei nicht nur unsicher, sondern ermögliche mutmaßlich auch Spionage durch die chinesische Regierung. Das sind schwere Vorwürfe an ein Unternehmen, dessen Produkte in vielen Ländern der Welt, darunter auch in Deutschland, in kritischer Internet- und Kommunikationsinfrastruktur eingesetzt werden.

Die Sprecher von Huawei dementierten sämtliche Anschuldigungen prompt und forderten entsprechende Beweise. Die aber blieben FBI, CIA und NSA bislang schuldig. Wer die Entwicklungen der vergangenen Jahre verfolgt hat, erkennt in dem Streit zwischen der US-Regierung und Huawei auch mehr Hinweise auf nationalen Protektionismus seitens der Amerikaner denn ausländischer Spionage gegen sie.

Wie eng ist Huawei mit Chinas Regierung vernetzt?

Der Streit schwelt nämlich schon länger. Bereits im Jahr 2010 warnten Vertreter der US-Regierung vor Produkten von Huawei und ZTE. Vorangegangen waren Sicherheitslücken in verschiedenen Routern und Switches der Hersteller aus Asien, die es Angreifern theoretisch ermöglichten, Zugriff auf Daten zu erhalten (ähnliche Lücken, wie sie Jahre später auch in amerikanischen Routern von Cisco entdeckt wurden). Die US-Geheimdienste vermuteten darin eine Hintertür, die Huawei und ZTE der chinesischen Regierung zur Verfügung stellten. Auch aus Großbritannien und Australien, die im gleichen Geheimdienstverbund sind, gab es ähnliche Äußerungen.

Dass Huawei vergleichsweise engen Kontakt mit der heimischen Regierung führt, ist kein Geheimnis. Das Unternehmen wurde 1987 von Ren Zhengfei, einem früheren Mitglied der Volksbefreiungsarmee, gegründet. Wie jedes große und international erfolgreiche Unternehmen in China, genießt Huawei bis heute eine gewisse Stellung. Immer wieder wurde deshalb über den Einfluss der Kommunistischen Partei auf die Unternehmensführung spekuliert – eine Verbindung, die Huawei stets abstritt. Es gebe keine "Schattenführung" innerhalb des Unternehmens und man habe den gleichen Status wie jede andere Firma auch, heißt es offiziell.

Die US-Regierung kam 2012 nach 18-monatiger Untersuchung zu einem denkbar unspektakulären Ergebnis: Man konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob die Sicherheitslücken absichtlich eingesetzt wurden oder einfach nur schlecht programmiert worden waren, wie es Sicherheitsforscher vermuteten. "Teile der Regierung wollten unbedingt Beweise für aktive Spionage finden", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters damals einen Insider, "und wir hätten sie gefunden – wenn es sie gegeben hätte."