Nun sind Vertreter von FBI und NSA ein bisschen wie die Römer aus Asterix: Sie geben einfach nicht auf. Und um Hinweise auf Spionage aus China zu finden, spionierten sie kurzerhand selbst.

Wie aus den von Edward Snowden geleakten NSA-Papieren hervorging, begann schon 2007 eine Geheimdienstoperation gegen Huawei und andere Hersteller. Im Zuge der Shotgiant getauften Aktion hatte sich der US-Geheimdienst Zugang zum E-Mail-Archiv von Huawei verschafft, darunter auch von Ren Zhengfei. Insgesamt 100 Stellen in dessen Computernetzwerk wurden infiltriert. Als Grund hieß es, dass "viele unserer Ziele über Huawei-Produkte kommunizieren" und man auf dem Stand der Technik bleiben müsse. Zudem gebe es die Sorge, "dass die Volksrepublik China die weitverzweigte Infrastruktur von Huawei zu Spionagezwecken nutzen" könne.

Dabei setzten die amerikanischen Geheimdienste ähnliche Techniken ein, die sie eigentlich in Huawei-Produkten nachweisen wollten: unter anderem eine Hintertür in Routern, die den Internetverkehr abfangen konnte, und eine Software, die von Huawei verwendete Firewalls umgehen sollte. Auch die aktuelle Aussagen der Geheimdienstvertreter entbehren nicht einer gewissen Ironie: Sie warnen einerseits vor Hintertüren in Smartphones, forderten aber andererseits vor nicht allzu langer Zeit genau eine solche von Herstellern wie Apple.

Ergebnisse der Operation Shotgiant enthielten die Snowden-Papiere nicht. Michael Hayden, der frühere Direktor von CIA und NSA, sagte zwar 2013 in einem Interview, Huawei habe für die chinesische Regierung spioniert. Aber auch er führte damals ebenso wenig Beweise an wie seine Nachfolger in dieser Woche vor dem US-Senat. Der wohl größte Hinweis darauf, dass die Vorwürfe von staatlich eingebauten Hintertüren in Huawei-Geräten nicht haltbar sind, bleibt die Tatsache, dass die Technik auch in den USA prinzipiell weiter frei verkauft werden darf. Das wäre wohl kaum der Fall, wenn sie ein nationales Sicherheitsrisiko darstellen würde.

Die USA kapseln sich ab

Dass der nunmehr zehn Jahre alte Streit jetzt ausgerechnet zur geplanten Markteinführung des Mate 10 in den USA neu ausgebrochen ist, ist möglicherweise weniger den Sicherheitsbedenken geschuldet. Er passt vielmehr in das Bild des zunehmenden Protektionismus in der dortigen Technikbranche.

Chinesische Netzwerkhersteller wie Huawei konkurrieren seit Jahren mit US-Firmen wie Juniper und Cisco – nicht nur in den USA, sondern weltweit. Schon 2003 gab es einen Rechtsstreit zwischen Cisco und Huawei und 2012 berichtete die Washington Post, wie Cisco dafür lobbyierte, die Konkurrenz von Huawei genauer zu untersuchen. Es gab Berichte von mutmaßlichem Werbematerial, in dem auf die unaufgeklärten Beziehungen zwischen dem chinesischen Smartphonehersteller und der dortigen Regierung hingewiesen wurde.

In den kommenden Jahren gilt der Ausbau des Mobilfunkstandards 5G als eine der wichtigsten und lukrativsten technischen Entwicklungen. Erst kürzlich kursierte ein, inzwischen wieder verworfener, Vorschlag der US-Regierung, eine Art nationales 5G-Netzwerk aufzubauen. Ein Plan, der vor allem den "Wunsch äußerte, China von der amerikanischen Netzinfrastruktur fernzuhalten", wie das IT-Portal The Verge schrieb

Mit dem Quasi-Embargo von Huaweis Spitzen-Smartphone Mate 10 erreicht die Skepsis gegenüber dem Hersteller nun auch die Verbraucher. In den vergangenen Monaten warnten Vertreter der US-Regierung bereits vor der Verwendung der Antivirensoftware von Kaspersky (die im Mittelpunkt einer komplexen Spionageaktion steht) und den Drohnen des chinesischen Weltmarktführers DJI (die mutmaßlich ebenfalls Daten für die Regierung abgreifen sollten).

Die Vertreter von Huawei baten die US-Behörden inzwischen darum, doch genau zu sagen, welche Produkte in welcher Hinsicht unsicher seien. Eine Antwort bleiben diese weiter schuldig. So kann letztlich nicht mit vollständiger Sicherheit gesagt werden, ob und inwiefern das Unternehmen und seine in den USA eingesetzten Produkte tatsächlich von der chinesischen Regierung kompromittiert sind. Angesichts der dünnen Beweislage, den Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre und dem nicht gerade kleinen Überwachungsarsenal von NSA und CIA ließe sich, frei nach Asterix, sagen: "Die spinnen, die Amis."