Auch Politiker bleiben in Funklöchern stecken. So wunderte sich Gesundheitsminister Jens Spahn vergangenen Sommer, als er noch Finanzstaatssekretär und als Wahlkämpfer auf Tour war, auf Twitter darüber, wie schlecht das Mobilfunknetz doch flächendeckend sei. Er sei so viel hierzulande unterwegs wie selten, da stoße ihm das schon übel auf, wandte sich der CDU-Politiker hilfesuchend an die sozialen Netzwerker der Deutschen Telekom und von Vodafone. Als die verwundert antworteten, legte Spahn los: "Stendal, Kaarst, Zwickau, Bottrop, Bonndorf, Bad Salzuflen, Rodleben, Bad Düben, Bad Hersfeld, Verden ... soll ich weitermachen?"

"Zugegeben, in Brandenburg gibt es noch Potenzial für LTE mit bis zu 50 Megabit pro Sekunde", räumte ein Support-Mitarbeiter des Twitter-Kontos Telekom hilft daraufhin ein. Es gelte aber, das gesamte Bundesgebiet zu betrachten: "Wir versuchen immer dort zu sein, wo wir gebraucht werden, doch auch das kann nur nacheinander geschehen." Der Appell an den potenziellen künftigen Kanzlerkandidaten lautete: Halte durch! Betrachtet man die Aussagen der Netzbetreiber, so prallen immer wieder vielversprechende Werbeaussage auf die Realität der Bürger und Bürgerinnen.

"Häh? Wie armselig ist Deutschland!!!", empört sich etwa eine Gabi zu einem Blogeintrag über die Netzabdeckung in der Bundesrepublik. Mit ihrem halbwegs modernen Smartphone mit Karte vom Discounter habe sie kürzlich just am Bahnhof von Bad Wilsnack mit 2G keinen ausreichenden Empfang gehabt, um Zugfahrpläne aufzurufen. Alle mobilen Anfragen seien abgebrochen wegen Zeitüberschreitung beim Suchen. Die Nutzerin wettert weiter: "Auch in Randbezirken der Hauptstadt der gleiche schlechte Empfang mit 2G bzw. EDGE, bei dem jede Suchanfrage zur Geduldsprobe wird."

"O2 in ländlichen Gegenden - ein No-Go im wortwörtlichen Sinne", fügt BossaNova im August hinzu. Vier Wochen vorher beschwerte sich Jery_User:  "Bei Vodafone hab ich in der Nähe von Greußen (Thüringen) entweder E oder manchmal auch gar nichts. Von wegen LTE oder was auch immer!" Die Nachrichten in den Onlineforen und Regionalzeitungen ähneln sich: Von Bayern bis zur sächsischen Schweiz, von Hadamar-Niederzeuzheim in Hessen bis nach Lüsche im Niedersachen, wo ein Landwirt mit etwas Glück manchmal auf der Rampe neben dem Misthaufen mobil telefonieren kann: Überall beklagen Menschen in Deutschland eine schlechte Netzabdeckung, die teilweise noch nicht einmal die Nutzung von WhatsApp ermögliche. 

Problemzone Brandenburg

Für Brandenburg und Berlin haben Nutzer einer Website der oppositionellen CDU über eine interaktive Karte gleich 23.237 Funklöcher gemeldet. Rote Flächen überziehen große Teile des Geländes und verweisen auf "weiße Flecken" in der Mobilfunkversorgung. Bei Potsdam fangen die Problemzonen gleich im Düppeler Forst an und ziehen sich rund um manche nahe Seenplatte, bei Rathenow und dem benachbarten Premnitz sehen die entnervten Nutzer schier nur rot. In Berlin erstreckt sich laut dem Plan eine Funklochstrecke vom Hauptbahnhof entlang der Bahntrasse bis nach Spandau, entlang der Avus sieht es nicht viel besser aus.

"Das Mobilfunknetz in Brandenburg weist seit Jahren erhebliche Lücken auf", moniert die CDU. Gerade im ländlichen Raum machten zahlreiche weiße Flecken die Nutzung von Onlinediensten per Smartphone und selbst das Telefonieren unmöglich. Dabei gehöre ein guter Handyempfang in der heutigen Zeit ebenso wie das mobile Internet zur Daseinsvorsorge. Die Landesregierung rede das Problem klein, solle mit den Einträgen auf der Karte aber nun zum Handeln gezwungen werden.

Ganz in diesem Sinne berichtet auch der Tagesspiegel über Funklochdramen aus der Mark, die "in Notfällen lebensgefährlich sein" könnten. In einer Anhörung im brandenburgischen Landtag habe das Amt Rhinow im Havelland etwa bekanntgegeben, dass voriges Jahr in Strodehne bei Schachtarbeiten der Versuch gescheitert sei, ein Foto eines potenziellen Blindgängers per Smartphone an den Munitionsbergungsdienst zu schicken. Zudem seien bei einem Alarm Feuerwehrleute in Wolsier und Kleßen-Görne "über die unterstützende Handyalarmierung nicht erreicht" worden. Eine Autofahrerin habe ferner bei Ohnewitz keinen Notruf zu einem brennenden Auto mit einer darin sitzenden Person absetzen können, "weil keine Mobilfunkabdeckung besteht". Selbst Notrufe, die nicht an ein spezielles Netz gebunden sind, sind also betroffen.

Vor allem Kleßen-Görne hat es damit bereits zu einer gewissen Berühmtheit gebracht und wird in der Presse immer wieder genannt. Die Gemeinde liegt in einer Senke, über die Mobilfunksignale weitgehend einfach hinwegstrahlen. Ein eigener Funkmast vor Ort würde etwa 200.000 Euro kosten, also 571,43 Euro pro Einwohner, ist zu vernehmen. Eine lohnenswerte Investition sieht aus Sicht der Betreiber anders aus. Die Telekom hat aber angekündigt, das Problem bis 2020 zu beseitigen. Bis dahin hilft es den Bewohnern allenfalls, sich im Garten auf eine Leiter zu stellen oder auf einen Baum zu klettern, um die ein oder andere Funkwelle mit dem Handy zu erhaschen.