David Limp verantwortet als Senior Vice President von Amazon alle Hardware-Produkte des Konzerns, vom smarten Lautsprecher Echo bis zum E-Reader Kindle. ZEIT ONLINE hat den Amazon-Manager, der Computerwissenschaften und Mathematik studiert hat, in München zum Interview getroffen.

ZEIT ONLINE: Herr Limp, Sie haben einmal gesagt, dass Alexa wie ein fürsorgliches Familienmitglied für Sie ist. Wie hat die Amazon-Sprachassistentin Ihnen in letzter Zeit geholfen?

David Limp: Alexa löst keine Probleme für mich, aber sie macht mein Leben bequemer. Beim Kochen lasse ich auf meinem Echo Show unterschiedliche Uhren laufen, einen Pasta-Timer, einen Fleisch-Timer, einen Pizza-Timer. So habe ich immer alles unter Kontrolle. Außerdem habe ich dank Alexa die Möglichkeit, meinen Vater, er ist über 80, per Videotelefonie direkt in meine Küche zu holen. So kann er seine drei Enkelkinder in der Küche herumlaufen sehen, obwohl er in einem anderen Bundesstaat wohnt.

ZEIT ONLINE: Sie haben auch mal in einem Interview erzählt, dass Sie Alexa nutzen, um Ihren Sohn aufzuwecken. Machen Sie das immer noch?

Limp: Oh ja, und nicht nur das. Mittlerweile können wir Familien-Durchsagen sogar in der ganzen Wohnung broadcasten. "Kommt runter zum Abendessen!" oder "Mach dich jetzt fertig für die Schule" – Alexa sendet die Botschaft an alle Echos im Haus. Meine Kinder antworten dann aber normalerweise, dass sie müde sind und im Bett bleiben wollen (lacht).

ZEIT ONLINE: Das alltägliche Leben mit Alexa zu teilen, hat seinen Preis. Wenn ich Alexa oder Kindle verwende, gewähre ich Amazon Einblick in meine intimen Wünsche und Gewohnheiten. Wie nutzt der Konzern all diese Daten – über meine Essgewohnheiten, meine Lesevorlieben und meine musikalischen Präferenzen?

David Limp ist verantwortlich für die Hardware-Produkte bei Amazon. © Brian Ach/Getty Images

Limp: Das kommt darauf an. Mit Daten über Ihre Essgewohnheiten würden wir nie etwas anstellen. Bei Musik geben wir Ihnen Empfehlungen, basierend auf Ihrer musikalischen Historie. Das tun wir aber nur, um den Service reizvoller für unsere Kunden zu machen. Ein Beispiel: Zu Hause teile ich mir ein gemeinschaftliches Gerät mit meinen drei Kindern. Wenn wir Musik nicht personalisieren würden, müsste ich dort die ganze Zeit Disney-Soundtracks hören.

ZEIT ONLINE: Viele Menschen haben Angst davor, dass Alexa sie permanent abhören könnte, um mehr über ihre Vorlieben zu erfahren. Was genau hört Alexa mit, wenn sie gerade keine Kommandos erhält?

Limp: Wenn der Echo eingeschaltet und mit dem Internet verbunden ist, hört er nur auf ein Kommando: das Aufwachwort. Solange es nicht erklingt, bleibt die Verbindung lokal und kein Gespräch wird über das Internet an die Cloud gesendet. Sobald Echo das Aufwachwort hört, geht ein sehr helles, blaues Licht an. Unsere Kunden wissen dann, dass wir ihr Gespräch jetzt verschlüsselt in die Cloud streamen.