Tim Cook dämpfte gleich am Anfang die Erwartungen: "Heute dreht sich alles um Software", sagte der Apple-Chef zur Eröffnung der hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC in San José am Montagabend deutscher Zeit. Das war zwar schon immer der Fall, doch im vergangenen Jahr überraschte das Unternehmen mit der Vorstellung des smarten Lautsprechers HomePod. Deshalb wurde die vergangenen Tage gemutmaßt, ob Apple nicht auch dieses Jahr die WWDC nutzen werde, um noch die eine oder andere Hardware vorzustellen. Vielleicht ja ein neues Macbook Air. Oder ein neues iPhone SE. Oder wenigstens die kabellose Ladestation AirPower.

Aber nein, es drehte sich diesmal tatsächlich alles bloß um Software. Während der knapp zweieinhalbstündigen Keynote stellten Tim Cook und Softwarevizepräsident Craig Federighi neue Versionen von iOS, macOS, watchOS sowie neue Funktionen für Apple TV vor und dankten den mittlerweile "20 Millionen Entwicklern" für ihre Apps und Software.

Die diesjährige WWDC passt damit in die Entwicklung Apples: Zwar ist das Unternehmen immer noch vor allem für das iPhone und seine Laptops bekannt. Doch nicht nur die schleppenden Verkäufe des iPhone X und des HomePod (der ab dem 18. Juni auch in Deutschland erhältlich sein wird) lassen das Unternehmen neue Prioritäten setzen: Für Apple geht es längst nicht mehr nur darum, neue, teure und schicke Hardware zu produzieren. Die Zukunft des Unternehmens hängt längst ebenso von seiner Software ab. Lange war es die Hardware, die neue Kunden in Apples Ökosystem lockten. Inzwischen sind die Unterschiede zwischen dem iPhone und anderen Smartphones mehr Glaubens- denn Technikfrage. Deshalb spielt die Software für Apple wieder eine viel prominentere Rolle als noch vor einigen Jahren. Und deshalb ist es nur konsequent, dass Apple auf seiner Entwicklerkonferenz der Software wieder die uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenkt.

ARKit 2 erweckt Legofiguren zum Leben

Aber auch ohne Hardware gab es am Montag in San José einige spannende Neuigkeiten zu sehen. Zum Beispiel im Bereich der Augmented Reality (AR). Seit der Einführung der Software Plattform ARKit im vergangenen Jahr legt Apple im kommenden mobilen Betriebssystem iOS 12 erneut einen starken Fokus auf die erweitere Realität. Bislang sind AR-Anwendungen auf dem Smartphone noch eher in der Kategorie Partytrick anzuordnen. Mit ARKit 2 will Apple das ändern und die Technologie alltagstauglicher machen. Als Beispiel präsentierte Federighi eine neue App namens Measure, die Objekte vermessen kann. Die Nutzer und Nutzerinnen müssen dazu einfach mithilfe der Kamera einen Startpunkt markieren und dann den Cursor zum Endpunkt ziehen. Die Software misst dann die Strecke zwischen beiden Punkten aus, angeblich mit nahezu hundertprozentiger Genauigkeit.

Spielereien dürfen trotzdem nicht fehlen, weshalb Apple künftig unter anderem mit Lego zusammenarbeitet: Erkennt die entsprechende AR-App einen Legobausatz, lässt sich dieser auf dem Bildschirm zum Leben erwecken. Animierte Legofiguren auf dem Display laufen dann vor dem tatsächlichen Modell herum; das Hardwarespielzeug wird um eine theoretisch unendlich erweiterbare virtuelle Geschichte angereichert. Dank der neuen Möglichkeit, mehrere Nutzer gleichzeitig in einer AR-Anwendung zusammenzubringen, können zudem mehrere Smartphonenutzer mit- und gegeneinander spielen.

Siri soll – wieder mal – schlauer werden

Wie jedes Jahr bekommt auch Apples virtueller Assistent Siri mit iOS 12 ein Update. Die größte Änderung ist eine neue App namens Siri Shortcuts, die Siri enger mit einzelnen Diensten verknüpfen soll. Nutzer und Nutzerinnen können aus vorgegebenen Shortcuts wählen oder einen eigenen Shortcut erstellen: So ließe sich der Sprachbefehl "Ich mache Feierabend" gleich mit mehreren Aktionen verbinden: Siri könnte nach der Aktivierung des Befehls eine Nachricht an den Partner schicken, den Lieblingspodcast abspielen, das aktuelle Wetter anzeigen und zu Hause die Heizung aufdrehen.

Solche Anpassungsmöglichkeiten sind wichtig für Siri, das im direkten Vergleich mit Amazons Alexa und dem Google Assistant teilweise schlechter abschneidet. Shortcuts zeigt ebenfalls, dass Apple weiterhin an Siri als verbindendem Element zwischen iOS, watchOS und macOS baut: Shortcuts sollen auch über Geräte hinweg funktionieren, also etwa sowohl auf dem iPhone als auch auf dem Lautsprecher HomePod.