Geht es nach Google, zahlen die Deutschen ihren Einkauf künftig mit dem Smartphone. Wer an der Kasse steht, soll Handy statt Portemonnaie zücken und auf das Kartenlesegerät legen – fertig. Möglich macht das Google Pay, ein Bezahldienst, der fast jedes Android-Smartphone zur Geldbörse umfunktionieren kann. Seit Dienstag ist er hierzulande verfügbar.

Um Google Pay zu nutzen, benötigen Verbraucherinnen und Verbraucher ein Smartphone mit dem Betriebssystem Android, mindestens Version 5.0. Liegt dieses vor, gilt es, die App herunterzuladen, die Kreditkarte einzuscannen und in den Einstellungen das NFC-Verfahren, kurz für Near Field Communication, auf dem Handy zu aktivieren. Die Zahlung funktioniert in jedem Geschäft, das NFC anbietet. Bis zu einem Betrag von 25 Euro müssen Nutzer keine PIN eintippen. Ein kurzes Aufleuchten des Smartphonebildschirms reicht als Bestätigung.

Der Bezahldienst funktioniert zudem in Onlineshops, dort soll er das langwierige Eintragen von Kunden- und Zahlungsdaten ersetzen. Man müsse sich nicht mehr umständlich eine PIN merken, die Kreditkartendaten irgendwo eingeben oder seine Girocard mit zum Einkaufen nehmen, sagt Google-Manager Philipp Justus, Vizepräsident für Zentraleuropa, bei der Präsentation in Berlin.

Das klingt erst mal gut. Schon jetzt können Kunden im Handel mit ihrer Karte zahlen, ohne die PIN einzugeben, wenn ihre Girocard die NFC-Zahlung unterstützt. Der Handelsverband HDE geht davon aus, dass bis Ende dieses Jahres 80 Prozent aller Kartenlesegeräte in Deutschland das kontaktlose Bezahlen unterstützen. Bis 2020 rechnet der Verband mit 100 Prozent. Theoretisch ließe sich Google Pay dann also an jeder Kasse nutzen.

Deutschland, einig Bargeldland

Die Zahl der Google-Pay-Partner ist in Deutschland allerdings vorerst begrenzt. Zum Start kann von dem Dienst nur profitieren, wer Kundin der Commerzbank, der Comdirect, dem Fintech-Unternehmen N26 oder der Wirecard-App Boon ist. Besitzer einer Visa- oder Mastercard von einem anderen Finanzinstitut sind ausgeschlossen.

"Aus unserer Sicht war es wichtig, zu beginnen", sagt Google-Manager Justus. Weitere Partner sollen "demnächst" kommen, konkret nennt das Techunternehmen das britische Start-up Revolut und die Landesbank Baden-Württemberg. Mit wem Google außerdem spricht, will Justus auf Nachfrage nicht kommentieren.

Selbst wenn noch mehrere Partner hinzukommen, bleibt die Frage, ob die Nutzer das Angebot annehmen. Denn Deutschland ist ein Bargeldland. Im vergangenen Jahr beglichen die Deutschen drei von vier Einkäufen in bar, wie eine Umfrage der Bundesbank zum Zahlungsverhalten zeigt. Obwohl es heute schon Apps für mobiles Bezahlen gibt – unter anderem von der Sparkasse, dem Finanzinstitut mit den meisten Privatkunden in Deutschland –, zahlen laut einer Bitkom-Umfrage drei von fünf Smartphonenutzern nicht mit ihrem Handy. Ein ähnliches Stimmungsbild zeichnet eine Umfrage der Managementberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC): Gerade einmal 13 Prozent der Deutschen begleichen ihre Rechnungen demnach mit dem Smartphone.