Es ist noch gar nicht so lange her, da war der Akku ein sensibles Thema bei Samsung. Als sich im August 2016, kurz nach Verkaufsstart des Galaxy Note 7, in einigen Geräten die Akkus entzündeten, sprach das südkoreanische Unternehmen zunächst von Einzelfällen. Nach nur zwei Monaten musste es die bis dahin verkauften Smartphones des Modells zurückrufen und die Produktion einstellen.

Nach einer intensiven Fehleranalyse und einem erfolgreichen Nachfolgermodell kann die Firma jetzt gar nicht genug über seine Akkus reden. Als sie am Donnerstag ihr neuestes Smartphone vorstellte, das Galaxy Note 9, wurde immer wieder die Leistungsstärke der Batterie betont: Einen ganzen Tag könne das mobile Gerät ohne Aufladen auskommen, damit sei die Batterie 30 Prozent leistungsfähiger als die des Note 8. Endlich, so heißt es von Samsung, müsse man nicht mehr den Bildschirm dämmen, das mobile Internet ausschalten oder Apps schließen, um Akku zu sparen.

Das klingt nach einer großen Revolution, und für die Samsung-Note-Reihe mag das auch stimmen. Allein: Andere Hersteller wie etwa Huawei bei seinem Mate 10 haben schon seit 2017 Akkus mit einer Stärke von 4.000 Milliamperestunden (mAh) verbaut.

Die Betonung auf die verbesserte Leistungsfähigkeit der Batterie steht symptomatisch für die aktuelle Genese von Smartphones: Jedes neue Modell der großen Hersteller wird in den Details feinjustiert. Im Fall des neuen Note ist der Speicher etwas größer, die Kamera etwas intelligenter und der kleine Stift, das Markenzeichen des Smartphones, multifunktionaler.

Intelligent heißt nicht künstlich intelligent

Doch so revolutionär wie Apples erstes iPhones ist keines dieser Geräte mehr. Die Weiterentwicklung des Smartphones ist längst evolutionär, wir befinden uns in einer Phase vergleichbar mit der nach der Erfindung der Dampfmaschine: Nachdem der erste Zug mal mit Kohle befeuert über Gleise ratterte, kamen bald immer schnellere und bequemere Züge, doch mit keinem verband sich eine grundsätzliche Neuerfindung der Transportart mehr. Genauso ist es jetzt auch mit Smartphones, egal ob sie aus den Hallen von Apple stammen oder denen von Samsung. Und irgendwie funktioniert es ja auch so: Das iPhone X war im ersten Quartal 2018 das meistverkaufte Smartphone der Welt, das im Februar vorgestellte Galaxy S9 sicherte sich trotz kürzerer Verkaufszeit den zweiten Platz unter den mit Android betriebenen Modellen.

Der Logik der geringen Verbesserungen folgend unterscheidet sich das Note 9 nur leicht von seinem Vorgängermodell: Mit 201 Gramm ist es sechs Gramm schwerer, mit 6,4 Zoll ist der Bildschirm 0,1 Zoll größer. Ansonsten ist das Modell ganz ans erfolgreiche Note 8 angelehnt: eine Auflösung von 2.960 mal 1.440 Pixeln, ein Achtkernprozessor, ein Rahmen aus Aluminium, die Vorder- und Rückseite aus Glas.

Auch die Kamera besitzt altbekannte Features: Die zwölf Megapixel starke Dualkamera mit Weitwinkel- und Telefotolinse, erstmals verbaut im Note 8, bleibt auch im neuen Modell erhalten. Immerhin verspricht Samsung, dass die Kamera intelligenter ist als zuvor: Wenn eine Person die Augen auf einem Foto geschlossen hat, Schmutz auf der Linse liegt, das Gegenlicht zu stark blendet oder das Motiv verwischt ist, warnt sie den Nutzerinnen und Nutzer. Intelligent heißt in diesem Fall übrigens nicht künstlich intelligent. Das Verfahren beruhe auf einer einfachen Bildanalyse, heißt es von Samsung.