Der heimliche Star der Produktvorstellung bei Bang & Olufsen war einer, den man nicht unbedingt erwartet hätte bei einem solchen Traditionshersteller von schön und schlicht designten Unterhaltungselektronikgeräten: Google.

Es war am Vorabend der offiziellen Eröffnung der derzeit laufenden Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin, die Vorhänge am Stand der dänischen Firma waren noch zugezogen, dahinter drängten sich Journalistinnen und Journalisten, manche saßen, viele standen. Produktmanagerin Roberta Spigarelli sprach über die noch mit Tüchern verhüllten Neuheiten, über die Zukunftsvisionen des eigenen Unternehmens. Schließlich schritt sie zu einem Tisch, das Tuch wurde entfernt und zwei kegelartige Lautsprecher aus Aluminium kamen zum Vorschein: Beosound 1 und 2.

Neu sind die beiden Geräte jedoch keineswegs, sie wurden ursprünglich 2016 vorgestellt. Bang & Olufsen hat sie nur ein bisschen überarbeitet: Die Lautsprecher sind jetzt smart, sie haben den Google Assistant installiert.

"Ein Sprachassistent wird zu einem Must-have-Feature in Produkten", sagt Heidi Hausted Fredberg, Produktchefin bei Bang & Olufsen. Schon vor zwei Jahren habe man den Trend erkannt und überlegt, wie man Sprachsteuerung in die eigenen Geräte implementieren könne. Da man selbst nicht auf Sprachassistenten spezialisiert sei, habe man sich eben mit Google zusammengeschlossen. Auch mit Amazon befinde man sich in Gesprächen, Nutzerinnen und Nutzer der Beosound-Lautsprecher können also womöglich bald auch mit Alexa reden.

Sogar der Rasenmäher redet

Sollten die auf der Ifa vertretenen Hersteller als technologischer Seismograf herhalten können, dann ist Sprachsteuerung die Grundlage für künftigen Erfolg in allen möglichen Bereichen. In Lautsprechern stecken die redenden und zuhörenden persönlichen Assistenten nach den Vorbildern des Amazon Echo und Google Home fast schon selbstverständlich, aber auch in Autos, Waschmaschinen, gar Rasenmähern.

Die Software programmieren die meisten Firmen nicht selbst, sondern kooperieren mit den wohl bekanntesten Tech-Firmen in dem Bereich: eben Amazon und Google. Nur Apple und Samsung vertrauen auf eigene Sprachassistenten mit Siri beziehungsweise Bixby, dessen Stimme aus dem neuen Lautsprecher Galaxy Home spricht. Ansonsten gilt: Entweder redet man als Nutzerin und Nutzer mit Alexa (unter anderem bei Bose und dem Smartphone-Hersteller Huawei) oder Google Assistant (etwa Blaupunkt), oder alternierend mit beiden. Das Konzept lautet: innovativ sein mit den Softwarekomponenten anderer.

Aber welchen Mehrwert bringen diese Kooperationen eigentlich den Nutzern? Und welchen den Herstellern?

Stellt man Daniel Rausch diese Frage, als Vice President zuständig für den Bereich Smart Home bei Amazon, antwortet der, dass Sprachassistenten der Durchbruch für das vernetzte Zuhause seien. "Bisher war das Smarthome nicht wirklich smart." Ob man nun eine App öffne und das Licht darüber einschalte oder kurz zum Lichtschalter laufe, das mache keinen großen Unterschied. Sprachsteuerung hingegen funktioniere auch über weite Distanzen, erst so ergebe die Vernetzung von Geräten wirklich Sinn.

Was Rausch nicht sagt: Genau genommen ändert sich für die Nutzerinnen und Nutzer wenig. Denn es braucht keinen smarten Lautsprecher, damit sie ihr vernetztes Zuhause steuern können. Wer das Licht ein- oder ausschalten will, kann das auch über die Sprachfunktion seines Handys tun. Und wer schon einen Google Home Mini besitzt, kann auch über Chromecast einige Lautsprecher bedienen, etwa bei Bang & Olufsen. Anfang des Jahres sagte ein Experte bei einer Podiumsdiskussion auf der Werber-Konferenz d3con an Gerätehersteller gewandt: Böten die ihren Nutzern keine bessere oder schnellere Funktionalität mit der Sprachsteuerung, dann sollten sie die Sache lieber lassen. Diesen Rat scheinen nicht viele Gerätehersteller befolgt zu haben.