Sie werden mitgewaschen, fallen ins Klo, scheppern auf den Asphalt: Das ganze Jahr über gehen Smartphones kaputt – doch im Sommer lauern besondere Gefahren. Sand, Salzwasser, Wassersport, Hitze: All das erhöht das Unfallrisiko. Manch einer setzt auf Prävention, andere hoffen im Ernstfall auf die Supertipps aus dem Netz: Das geflutete Handy in Reis einlegen zum Beispiel. Was ist dran an den Tipps?

Freier Fall aus den Hotpants

Ein gesprungenes Display ist mit fast 52 Prozent der häufigste aller Handyschäden – und lässt sich unter Umständen mit etwas durchsichtigem Klebeband reparieren. Jedenfalls als Erste-Hilfe-Maßnahme. Geht das Handy nicht mehr an, kann nur noch ein professioneller Reparaturdienst helfen. Tatsächlich kann man vorbeugen – feste Hüllen, die vor allem die Ecken des Gerätes gut abfedern, können das Risiko für Glasbruch senken. Ob allerdings aufgeklebte Schutzfolien wirklich davor schützen, ist bisher noch umstritten. Zumindest verhindern sie, dass sich die Scherben eines geborstenen Displays auch noch verteilen.

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Ein Bad im Meer

Was aber tun, wenn das Handy aus der schwitzigen Hand nicht auf den Boden geglitten ist, sondern gleich direkt ins Meer oder den Eimer Sangria? Der Mobilfunkanbieter Vodafone empfiehlt als ersten Schritt, das Telefon so schnell wie möglich aus dem Wasser zu holen.

Auf dem Plumpsklo Mails checken? Besser nicht.

Ist das Telefon noch an, sollte man es sofort ausschalten. Denn: Egal um welche Flüssigkeit es sich handelt, je länger sie in einem Gerät ist, durch das noch Strom fließt, desto eher kommt es zu einem Kurzschluss. "Auf gar keinen Fall sollte man das Smartphone an den Strom anschließen, auch nicht, um kurz zu testen, ob es noch funktioniert", sagt Ercan Özturan, Geschäftsführer des Smartphone-Reparaturservices McRepair. Lieber sollte man es abtrocknen und danach an der Luft trocknen lassen. Akku, SIM- und Speicherkarte kann man entnehmen, wenn das Gerät es zulässt. Nach einem Wasserschaden ist vor allem Geduld gefragt.

Ist Wasser ins Innere gelangt, greift es die Metallteile an. Süß- und Salzwasser führen gleichermaßen zur Oxidation der Elektronik. Reiner Alkohol verhindert das, ein Bad in 99-prozentigem Isopropylalkohol kann also helfen. "Ob das Handy vorher ins Bierglas gefallen ist oder mit Cola überschüttet wurde, macht keinen allzu großen Unterschied", sagt Özturan. Er empfiehlt, das Handy in einer luftdichten Verpackung mit Reis zu bedecken. Der Reis ziehe die Feuchtigkeit aus der Luft und sauge so das verdunstende Wasser aus dem Gehäuse.

Nicht jeder Fachmann ist aber Fan der Reismethode. Sie führe dazu, dass das Wasser dem Gerät zu schnell wieder entzogen würde, sagen Kritiker. Dadurch blieben Salze und Elektrolyte übrig, was den Metallteilen umso mehr schade. Özturan erwidert: "Das stimmt zwar, aber diese Korrosion lässt sich vom Experten bereinigen. Und dort sollte das Gerät nach einem Wasserschaden sowieso möglichst schnell hin." Auf jeden Fall solle man die Finger vom Föhn lassen! Denn neben Wasser ist Hitze der zweitschlimmste Feind des Smartphones.

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Sand im Getriebe

Wer am Meer Sandburgen bauen will, aber keine Schaufel dabei hat, sollte nicht das Smartphone nehmen. Aber auch sonst gibt es viele Wege, auf denen Sandkörner ins Innere des Handys gelangen können: Ritzen in der Badetasche, eine sandige Hosentasche oder einfach der Wind. Sandkörner können das Display zerkratzen. Gegen feinere Kratzer hilft oft ein wenig Politur. Körner können aber auch in die Ritzen des Telefons oder die Anschlüsse für Kopfhörer und Ladegerät oder die Mikrofonöffnungen gelangen. Dann lautet der wichtigste Tipp: Bloß nicht pusten! Denn damit dringen die kleinen Körner noch tiefer ins Gehäuse. Lieber vorsichtig mit dem Staubsauger auf halber Saugkraft den Schmutz aus den Öffnungen saugen. Man kann es auch mit einem weichen Pinsel versuchen oder einen Zahnstocher zu Hilfe nehmen – wobei auch hier das Risiko besteht, dass man als Laie die Körner noch weiter ins Gerät befördert. Einfacher und wirkungsvoller: Das Handy in einem dichten Plastikbeutel mitnehmen, wenn man zum Strand geht.

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Der Sonnenstich

Extreme Hitze kann sogar das Kunststoffgehäuse verformen. Besonders empfindlich sind aber Display und Batterie. Wenn sich die Flüssigkeitskristalle darin zu stark erwärmen, flimmert die Handyanzeige mindestens so stark wie die Luft über dem Asphalt.

Wenn die Batterie über längere Zeit zu heiß geworden ist, nimmt ihre Kapazität ab, erklärt Falko Schappacher, der den Bereich Cell Systems am Batterieforschungszentrum Meet leitet. "Ein iPhone geht bei zu viel Wärme, aber auch zu viel Kälte aus. Eine Temperatur bis zu 40 Grad Celsius tut dem Smartphone normalerweise noch nicht weh." Es sei schlimmer für den Akku, wenn das Handy geknickt werde oder lange unbenutzt im Keller liege.

Spätestens seit dem Galaxy-Note-7-Desaster im Jahr 2016 hält sich ein weiteres Gerücht. Nämlich, dass Akkus platzen können, oder gar explodieren und anfangen zu brennen, wenn sie zu heiß werden. Damals rief Samsung, der Hersteller des Galaxy Note 7, die Serie zurück, weil sich die Akkus in einzelnen Geräten des Oberklasse-Smartphones entzündet hatten. Die gute Nachricht: Das Galaxy Note war eine Ausnahme. Schuld an den Problemen waren wohl produktionstechnische Fehler, unter anderem war der Akku zu groß für das Gehäuse.

"Wir reparieren im Monat zwischen 3.000 und 5.000 Geräte, und das seit zwölf Jahren. Ein explodierter Akku war nie dabei", sagt auch der Experte Özturan. Lag das Handy wirklich mal zu lange in der Sonne, hilft es, das Gerät bei Zimmertemperaturen abkühlen zu lassen. Auf keinen Fall aber sollte man es in den Kühlschrank legen. Denn hier drohen Kondenswasser und Korrosion.

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Vom Mofa überrollt

Was hat denn da gerade so geholpert? So schnell wie das Handy aus der Tasche rutscht, ist auch irgendjemand drübergefahren. Und schon liegen sie da, all die schönen Einzelteile, in die das Handy zersprungen ist. Beim iPhone X sind es genau 94. Was lässt sich dann noch retten? Meist nicht viel, manchmal zumindest noch die Daten. "Ist das Mainboard nicht beschädigt, können wir die Daten retten", sagt Özturan.

Mit großer Wucht hatte im letzten Jahr auch der Pitch eines US-amerikanischen Baseballspielers ein Smartphone getroffen: Statt der emporgereckten Hände traf der auf die Ränge katapultierte Ball das Telefon eines jungen Oakland-Athletics-Fans. Das Display splitterte und der Fan bekam Ersatz vom Verein.

Der junge Peter Johnson hatte also Glück. Für die meisten der 23 Millionen US-Amerikaner, die ihr Smartphone bereits während einer Sportveranstaltung kaputtgemacht haben, dürfte das nicht gelten. Ganzen 33 Prozent fiel das Handy vor Begeisterung aus der Hand, 13 Prozent ließen es in ihr Bier fallen und fast genauso viele schleuderten ihr Gerät vor Wut oder Freude von sich.

Und wenn nach all den Stürzen, Wasserschäden, Hitzeschocks und Sandverwehungen kein Aus- und Anschalten mehr hilft, sollte man zumindest die völlige Zerstörung zelebrieren. Denn auch die kann ja zu einem kreativen Akt werden.


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