Apple ist ja ein Unternehmen, bei dem stets alles irgendetwas zu bedeuten hat. Jedenfalls wird das allgemein angenommen, und Apple hat sich vernünftigerweise nie wirklich gegen diesen Eindruck gewehrt: Diese Firma und ihre Produkte umweht eine sehr gut verkäufliche Aura des Größeren, Bedeutenderen, ganz und gar nicht Trivialen. Da zählt jedes Detail, und jedes Detail wird entsprechend gedeutet. Etwa der letzte Song, der läuft, während der Chef zu der Keynote genannten Produktpräsentation alljährlich im September die Bühne betritt.

Diesmal wurde im hauseigenen Steve Jobs Theater auf dem Apple-Campus in Cupertino die aktuelle Single des absolut fantastischen, aber nicht unbedingt superbekannten britischen Dance-Music-Kollektivs Jungle gespielt, bevor Apple-CEO Tim Cook die Keynote eröffnete. Heavy, California ist ein Sehnsuchtslied an den amerikanischen Bundesstaat, die Heimat Apples, eine Liebeserklärung mit einer allerdings erheblichen Einschränkung: "I will love you, can't afford you" – "Ich werde dich lieben, aber ich kann mir dich nicht leisten."

Ungefähr eine Stunde später hatte man, so das Lied denn wirklich mit Bedacht ausgewählt worden war, die passende, fast schon selbstironisch anmutende Erklärung dazu: Apple zieht den Preis für die neuen iPhones noch einmal deutlich an. Das XS kostet in der teuersten Ausführung mit 512 Gigabyte 1.549 Euro, das XS Max mit derselben Speicherkapazität 1.649 Euro. Neben zwei ziemlich teuren Modellen präsentierte Apple noch ein etwas weniger teures Smartphone. Das werden sich vielleicht nicht alle Menschen leisten können, aber doch recht viele leisten wollen: 849 Euro kostet die preiswerteste, mit 64 Gigabyte Speicher ausgestattete Variante des allerdings erst Ende Oktober herauskommenden iPhone XR. Gemessen an den Preisen von XS und XS Max ist das tatsächlich, nun ja, günstig.

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Höhere Geschwindigkeit, bessere Kamera

Alle drei neuen Geräte tragen im Namen das X des im vergangenen Jahr erschienenen Jubiläums-iPhones, sind also lediglich Weiterentwicklungen dieses Typs, der nun im Gegensatz zu den Altmodellen iPhone 7 und 8 gar nicht mehr von Apple angeboten wird. Wie das iPhone X besitzen auch die Modelle XS, XS Max und XR keinen Home Button mehr und können per Face ID starten, also durch Gesichtserkennung des Besitzers oder der Besitzerin. Und alle drei unterscheiden sich durch den neuen A12-Bionic getauften Chip vom Vorgängermodell. Der A12 soll zugleich noch schneller und energiesparender sein als der A11-Prozessor im alten iPhone X, vor allem aber intelligenter: Pro Sekunde soll der neue Chip fünf Billionen Rechenoperationen schaffen – der A11 vollführte in derselben Zeitspanne 600 Milliarden Berechnungen – und "maschinelles Lernen in Echtzeit" nutzbar machen, etwa bei der Mustererkennung für Foto-, Augmented-Reality- und Game-Anwendungen.

Tatsächlich glaubt man beim ersten Ausprobieren noch mal eine spürbare Geschwindigkeitsverbesserung im Vergleich zum auch bereits recht schnellen iPhone X zu bemerken. Die gesteigerte Rechenleistung macht Apple etwa durch einen neuen Tiefenschärferegler bei der Fotobearbeitung anschaulich. Der Bokeh-Effekt des sogenannten Portrait Mode beim alten X, bei dem abgebildete Personen durch das Unscharfziehen des Hintergrunds gleichsam in den Vordergrund geholt werden, kann damit rückgängig gemacht werden – auch der Hintergrund kann nun scharfgestellt werden, weil die fertigen Fotos der neuen X-Modelle aus noch mal mehr Einzelaufnahmen und -details errechnet werden.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden hochpreisigen XS-Modellen (ab 1.149 beziehungsweise 1.249 Euro) und dem günstigeren XR liegen unter anderem in der Kameraausstattung: Das XR hat auf seinem Rücken nur ein Weitwinkelobjektiv zum Fotografieren und Filmen, die XS-Versionen hingegen je eine Dual-Kamera mit einem zusätzlichen Teleobjektiv, was ein physisches und nicht nur digitales Zoomen ermöglicht. Außerdem besitzen die teureren iPhone-Varianten die vom alten X bereits bekannten superhochauflösenden OLED-Bildschirme in der Diagonalgröße 5,8 Zoll (XS) respektive 6,5 Zoll (XS Max). Das XR, das mit einer Bildschirmdiagonale von 6,1 Zoll dazwischen liegt, muss mit einem weniger brillanten, mit 1.792 mal 828 Pixeln aber immer noch sehr guten LCD-Display auskommen.