Die Bundesnetzagentur hat sich auf Bedingungen festgelegt, mit denen Frequenzen des neuen Mobilfunkstandards 5G vergeben werden sollen. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Beirat der Behörde. Damit können die 5G-Frequenzen im Frühjahr 2019 an Mobilfunkunternehmen versteigert werden.

"Unsere Entscheidung schafft wichtige Voraussetzungen für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft", sagte Netzagentur-Präsident Jochen Homann. "Durch die Vergabe der Frequenzen schaffen wir Planungs- und Investitionssicherheit und tragen zu einem schnellen und bedarfsgerechten Ausbau der Mobilfunknetze in Deutschland bei." Die Vorgaben umfassten "Auflagen zur besseren Versorgung sowohl in der Stadt als auch auf dem Land", Maßnahmen zur Förderung des Wettbewerbs und Regelungen zum nationalen Roaming", teilte die Netzagentur mit.

Der Verbraucherzentrale-Bundesverband (vzbv) kritisierte die Vergabebedingungen. Diese seien aus Verbrauchersicht "enttäuschend", sagte vzbv-Chef Klaus Müller. "Der jetzt schon stagnierende Wettbewerb im Mobilfunkmarkt wird dadurch weiter zementiert", kritisierte er. "Auch das Problem der weißen Flecken im ländlichen Raum wird uns noch eine Weile begleiten."

Die Netzbetreiber hatten die Auflagen kritisiert, da es etwa in ländlichen Regionen keinen Bedarf für 5G-Frequenzen gebe. Sie argumentierten, die 4G-Technik sei dort ausreichend. Der Bauernverband und der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnten dagegen vor einer wachsenden Kluft zwischen Stadt und Land.

Bis Ende 2022 sollen mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versorgt werden. Dazu kommen alle Bundesautobahnen und die wichtigsten Bundesstraßen und Zugstrecken. Bis Ende 2024 sollen auch auf allen wichtigen Wasserstraßen und den übrigen Zugstrecken mindestens 50 Mbit/s verfügbar sein.

Für Diskussionen sorgte auch das sogenannte regionale Roaming, also die Umleitung der Kunden eines Anbieters auf die Handynetze der Konkurrenten im Fall eines Funklochs. Die Netzagentur schreibt den Unternehmen nicht vor, ihre Netze für Konkurrenten zu öffnen. Sie werden allerdings verpflichtet, über eine technische und vertragliche Kooperation mit ihren Wettbewerbern zu verhandeln.

Der neue Mobilfunkstandard soll die 4G-Technik, auch als LTE bekannt, ablösen. Durch eine enorme Geschwindigkeitssteigerung bis in den Gigabit-Bereich soll die schnelle Übertragung großer Datenmengen in Echtzeit möglich werden. Das gilt als Voraussetzung für den weiteren Ausbau vernetzter Fabriken und Maschinen in der Wirtschaft oder für die Verbreitung selbst fahrender Autos. Auch für Verbraucher fallen etwa durch das Streamen hochauflösender Videos immer größere Datenmengen an. Die meisten Anwendungen sind jedoch mit 4G gut nutzbar. Derzeit befinden sich noch keine 5G-fähigen Smartphones auf dem Markt.