Das Telefon ließe sich 150 Mal am Tag öffnen und wieder zuklappen, sagte Mark Notton in London. So oft entsperre ein durschnittlicher Smartphonenutzer heute sein Gerät, sagte der Direktor des Produktportfolios und der kommerziellen Strategie bei Samsung. Der Faltmechanismus soll laut Notton etwa fünf Jahre halten. Dass eine solche Haltbarkeit nicht so einfach zu erreichen ist, zeigen die vielen Jahre, die Samsung an dieser Technologie gewerkelt hat: Seit 2011 hat das Unternehmen sie nach eigenen Angaben entwickelt.

Eine weitere Herausforderung war die Batterie. Ein Akku lasse sich nicht biegen, sagte Notton, das gehe einfach nicht. Die beiden Screens des Galaxy Folds besitzen deshalb jeweils einen Akku mit einer Gesamtleistung von 4.380 Milliamperestunden. Sie können gemeinsam über ein Ladekabel aufgeladen werden.

So innovativ die Technologie sein mag, so stolz ist ihr Preis: 2.000 Euro verlangt Samsung für das neue Gerät, das ab dem 3. Mai europaweit verkauft werden soll, in anderen Regionen auch schon früher. Damit zielt Samsungs neues Vorzeigeprodukt eindeutig nicht auf den Massenmarkt ab, zumindest vorerst. Samsung-Manager Notton setzt auf zahlungskräftige Kundinnen und Kunden. Das faltbare Smartphone sei ein zero market, ein Markt also, der noch nicht existiere. Anders gesagt: Ob Premiumprodukt oder nicht, die Nachfrage muss man erst einmal schaffen.

Man nennt das auch Zoom

Die offene Frage ist, ob es die überhaupt gibt. Das Galaxy Fold mag neue Technologie bieten, aber Kundinnen und Kunden müssen die entweder schon sehr dringend brauchen oder sehr dringend wollen. Samsung will dies fördern, indem sich mit dem Galaxy Fold beispielsweise drei Apps parallel auf dem großen Bildschirm nutzen lassen: Aufgeklappt können Besitzerinnen und Besitzer gleichzeitig YouTube-Videos schauen, mit einer Freundin chatten und eine Google-Suche starten.

Vielleicht finden manche Menschen das wirklich sinnvoll, um auf dem Smartphone Tatort zu gucken und parallel das Geschehene auf Twitter zu kommentieren. Andere Funktionen wirken mehr wie Gimmicks: Ein Mitarbeiter öffnete während des Unpacked-Events etwa Google Maps auf dem zusammengefalteten Telefon. Als er dann das Smartphone aufklappte, erweiterte sich die Karte direkt. Ein nettes Feature, aber schon heute lassen sich Stadtpläne auf Smartphones vergrößern – man nennt das Zoom. Braucht es für so was wirklich ein weiteres Display?

Möglicherweise geht es aber gar nicht so sehr um die einzelnen Funktionen, sondern um das, was das Galaxy Fold einmal ersetzen könnte. Menschen hätten heute oft sowohl ein Smartphone als auch ein Tablet und einen PC, sagte Ramon Llamas, Forschungsdirektor der Analysefirma IDC, dem amerikanischen Sender CNN. "Was wäre, wenn man zwei Dinge in einem haben könnte und nicht mehr all diese Dinge benötigte?" Ersetzte das faltbare Telefon unsere bisherigen Geräte oder zumindest ein weiteres, wäre das einfacher und letztlich auch günstiger. Dafür muss es aber in der Praxis auch wirklich überzeugen.

Wie auch immer man zu dem faltbaren Telefon steht: Klar ist, dass das Galaxy Fold nicht allein bleiben wird. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas stellte das hierzulande eher unbekannte chinesische Unternehmen Royole Flexpai bereits ein knickbares Handy vor, auch Huawei und Xiaomi arbeiten an einem flexiblen Bildschirm. Geht man nach dem Aktivismus der Hersteller, ist faltbar offenbar das nächste große Ding in der Smartphonewelt.