Neuvorstellungen von Smartphones ließen sich in den vergangenen Jahren auf wenige Fragen herunterbrechen: Wie viel Speicher hat es? Wie lange hält der Akku? Wie schnell läuft es und, natürlich, wie gut ist die Kamera? Eigentlich war die Antwort immer: besser als bei den Vorgängermodellen. Viel Neues gab es außer Details nicht.

Umso überraschender, dass Samsung auf seinem Unpacked Event in San Francisco und in London gleichzeitig am Mittwochabend ein Smartphone vorgestellt hat, das tatsächlich wieder innovativ ist. Nutzerinnen und Nutzer können das Telefon auf- und zufalten und damit das Display vergrößern. Zwar gab es auch schon früher Klapphandys, doch das Galaxy Fold soll im ausgeklappten Zustand einem Tablet ähneln.

Bereits 2011 hatte Samsung an dem faltbaren Gerät gearbeitet. Seither mutmaßten Experten und Fans immer wieder, wann es denn kommen würde. Dass es 2019 so weit sein sollte, das hatte das südkoreanische Unternehmen auf seiner Entwicklerkonferenz im November vergangenen Jahres verkündet. Doch am Ende hatten nur wenige wirklich damit gerechnet, da in den vergangenen Wochen vor allem die zehnte Generation der Galaxy-S-Reihe im Fokus stand.

Sechs Kameras für Selfie-Fans

Das neue Smartphone beinhaltet einen biegbaren Bildschirm. Dafür hat Samsung nach eigenen Angaben eine neue Polymerschicht entwickelt, das Display sei zudem 50 Prozent flacher. Ausgeklappt soll der Bildschirm 7,3 Zoll betragen, damit wäre er deutlich größer als zum Beispiel beim S9 (5,8 Zoll). Das Galaxy Fold hat zwei Batterien verbaut, eine in jeder Seite des Smartphones. Sie sollen eine Leistung von 4.380 Milliamperestunden bieten. Das Fold kommt mit einem 512 Gigabyte großen Speicher.

Durch die besondere Funktion soll es möglich sein, bis zu drei Screens parallel zu bedienen. Ein YouTube-Video ansehen, gleichzeitig chatten und etwas bei Google suchen sollen laut Samsung möglich sein.

Das Smartphone soll zudem sechs Kameras verbaut haben: drei auf der Rückseite, zwei in der Mitte und eine vorne. In Europa soll das Galaxy Fold ab dem 3. Mai zum Verkauf stehen, der Verkaufspreis: stolze 2.000 Euro.

Und: vier neue Smartphones der Galaxy-S-Generation

Bei der Überraschung um das Galaxy Fold geriet in den Hintergrund, dass Samsung auch gleich vier neue Smartphones der Galaxy-S-Generation vorstellte. So ist das S10 mit einem Bildschirm von 6,1 Zoll etwas größer als sein Vorgängermodell und hat oben rechts im Screen eine Frontkamera verbaut; eine Dual-Kamera. Auf der Rückseite setzt Samsung zusätzlich auf eine dritte Kamera für den Telezoom. Zusammen sollen sie noch bessere Bilder hervorbringen, unterstützt von softwarebasierten Filtern. Auf dem Display sollen die Fotos farbintensiver und satter wirken als die Wirklichkeit.

In der Grundausstattung kommt das S10 mit einem Speicher von 128 Gigabyte. Es wird aber auch eine Version mit 512 Gigabyte zu kaufen geben. Der Fingerabdrucksensor, lange auf der Rückseite des Telefons platziert, ist jetzt im Bildschirm integriert. Der Preis beträgt 899 Euro beziehungsweise 1.149 Euro für die Variante mit mehr Speicher. Damit ist das S10 preislich nah an den iPhone-X-Modellen des Konkurrenten Apple, die derzeit ab einem Preis von ebenfalls 1.149 Euro zu haben sind.

Wie schon in den Vorjahren präsentierte Samsung zusätzlich eine noch etwas besser ausgestattete Version seines neuesten Smartphones, das S10+. Das besitzt unter anderem einen leicht größeren Bildschirm (6,4 Zoll), eine technisch ausgefeiltere Frontkamera und einen leistungsstärkeren Akku (4.100 Milliamperestunden). Der Speicher kann auf bis zu 1,5 Terabyte ausgeweitet werden – wer braucht in Zeiten der Cloud eigentlich so viel Platz auf seinem Telefon? All diese Zusatzelemente kosten den Kunden mindestens 1.249 Euro. Die Smartphones sollen am 8. März in den Verkauf gehen.

Mit 5G und zusätzlicher 3-D-Kamera

Wem das nicht genug ist, dem empfiehlt Samsung sein S10 5G. Diese Galaxy-Version soll das erste Smartphone sein, das auch den neuen Mobilfunkstandard 5G unterstützt. Es bietet abgesehen von größerem Bildschirm und leistungsstärkerem Akku auch noch eine zusätzliche 3-D-Kamera. Auch auf den Markt kommt das S10e. "E" steht dabei für essential. Das Smartphone ist kleiner als die anderen Modelle, es hat keine der für die S-Reihe typischen abgerundeten Ecken und hat nur eine in hochwertigen Smartphones mittlerweile übliche Dual-Kamera verbaut. Mit einem Preis von 749 Euro will Samsung damit Käuferinnen und Käufer finden, die zwar ein hochwertiges Markentelefon besitzen wollen, aber keine 1.000 Euro ausgeben wollen.

Auch dieses Konzept ist nicht neu, hatte doch schon Apple im September erstmals mit dem XR eine günstigere iPhone-Variante vorgestellt. Die Strategie hat offenbar funktioniert – 32 Prozent der iPhone-Kundinnen und -Kunden entschieden sich laut einer Umfrage kurz nach Verkaufsstart für die günstigere Variante (die aktuell ab 849 Euro im Verkauf ist).