Ein spezielles Hobby hat ja jeder irgendwie. Manche zählen Kalorien und googeln Vitamine, andere hören exzessiv Podcasts oder lesen so lange Testberichte, bis sie Mikrowellen und Katzenkissen guten Gewissens empfehlen können.

Ich interessiere mich für Schlaf. Früher eher praktisch, mittlerweile auch theoretisch. Seit der Pubertät bin ich eine begeisterte Schläferin. Eine von denen, die sich morgens lieber noch einmal umdreht und mitleidig an diejenigen denkt, die zu der Zeit Pilates für ihr optimales Wohlbefinden machen oder ihre Breakfast Bowl herrichten.

Vor ein paar Jahren las ich ein Buch über Schlaf, dann noch eins und ab da auch sämtliche Artikel, die ich in sozialen und traditionellen Medien zum Thema fand. Übermotivierte Frühaufsteher, die mir von Morgenroutinen und dem 5 AM Club vorschwärmten, begann ich mit profundem Wissen über die wichtige Funktion des Schlafs zu kontern.

Getrackte Nacht, heilige Nacht

Und plötzlich beschäftigen sich viele Menschen um mich herum mit dem Schlaf. Ein Freund zum Beispiel hat einen Fitnesstracker, der auch seinen Schlaf vermisst. Morgens bekommt der Freund dann so was angezeigt wie: "Du hast besser geschlafen als 98 Prozent der Menschen in deiner Umgebung", oder: "Du bist früher ins Bett gegangen als 60 Prozent der Leute". Klar, in unserer Leistungsgesellschaft war die Nacht natürlich nur gut, wenn man besser genächtigt hat als irgendwer anderes.

Ich halte derartige Analysen nicht für aussagekräftig, doch teilweise werten die Tracker auch Sinnvolles aus. Manche zeichnen den Schlaf nach Phasen auf. Wir durchlaufen in der Nacht ja unterschiedliche Schlafstadien, die leichte, mitteltiefe, tiefe und die Traumphase, auch bekannt als REM-Phase. Für Menschen wie mich, die sich immer ein bisschen sorgen, ob sie nun gut oder schlecht schlafen, kann der morgendliche Blick auf die Ergebnisse beruhigend sein: Puh, doch genug Schlaf bekommen.

Um wirklich sicher zu wissen, wie gut man schläft, war es bis vor Kurzem nötig, eine Nacht im Schlaflabor zu verbringen. Können das mittlerweile auch die Schlaftracker? Das wäre nicht nur weniger aufwändig, sondern auch deutlich günstiger. Aber dafür müssen die Tracker natürlich genauso gut sein wie eine Polysomnographie im Schlaflabor, also eine komplexe Analyse des Schlafs. Das lässt sich nur herausfinden, indem man die beiden Methoden miteinander vergleicht.

Und so kommt es, dass ich mich eines Abends in ein Schlaflabor begebe, mit gleich vier Schlaftrackern beziehungsweise Apps in der Handtasche: einem günstigen (Xiaomi Mi Band 2) und einem etwas teureren Fitnesstracker (Fitbit Charge 3) sowie einer iOS-App (Sleep Cycle) und einer Android-App (Sleep as Android). Die iOS-App lasse ich über die meistverkaufte Smartwatch laufen, die Apple Watch, die selbst keine Schlaftrackingoptionen bietet. Wenn schon testen, dann gleich so viele Angebote wie möglich.

Das Schlaflabor liegt in Berlin-Mitte in einem Altbau gegenüber dem Charité-Campus. Ich darf in einem von neun Zimmer nächtigen, die normalerweise für Forschungszwecke reserviert sind. Mein Raum für die Nacht ist karg eingerichtet: ein Bett, ein Schrank, ein Nachttisch, drei Stühle. Es könnte auch ein einfaches Hotelzimmer sein. Nur kommt da vor dem Schlafengehen keine Nachtwache zum Verkabeln – und ich nehme normalerweise auch keine Fotografin mit.

Die Nachtwache hat einen Koffer mit verschiedenfarbigen Kabeln, Stiften und einem Maßband mitgebracht. Ich sitze in T-Shirt und Schlafanzughose auf dem Bett, weißes Laken, grau-gelb gestreifte Decke. Zuerst werde ich vermessen. Die Nachtwache legt das Maßband von der Stirn bis zum Hinterkopf, von dem linken Ohr zum rechten an. Mit einem roten Stift markiert er Stellen an meinem Kopf. Ich komme mir vor wie eine Laborratte.