Bunter Kabelsalat © Jacobia Dahm für ZEIT ONLINE

Der bestätigt, was ich ursprünglich vermutet habe: Ich habe in dieser Nacht nicht viel geschlafen. Laut Report lag ich ungefähr ab 3:30 Uhr morgens wach, insgesamt habe ich nur vier Stunden und 38 Minuten geschlafen. Viel zu wenig, nicht nur für eine Langschläferin wie mich. Und die Schlafphasen waren bei mir entweder zu kurz oder zu lang: Ein Viertel der Nacht habe ich leicht geschlafen (etwas zu viel), 39 Prozent mitteltief (zu wenig), 31 Prozent tief (viel) und der Traumschlaf machte nur knapp sechs Prozent aus (viel zu wenig). Mein Tiefschlaf sei ausreichend gewesen, sagt Fietze, aber eine Traumschlafphase fehle komplett, zudem habe es zu viel oberflächlichen Schlaf gegeben.

Im Labor hat man noch einen Wert gemessen, die Schlafeffizienz. Die liegt bei 57,6 Prozent. Das sei sehr schlecht, sagt Fietze. Effizient geschlafen habe man ab einem Wert von 85 Prozent, wenn man also 85 Prozent der Zeit geschlafen und 15 Prozent wach gelegen habe. Da habe ich mich stets über Effizienzfans lustig gemacht und jetzt das.

Fundamentales Versagen

Und was ist mit den Schlaftrackern? Ich erzähle Ingo Fietze von den Ergebnissen. Er schüttelt den Kopf. "Schlaftracker sind ungenau", sagt er. Sie könnten mit den Bewegungssensoren nur die Zeit aufzeichnen, die jemand im Bett verbringe, und die Schlafzeit, nicht aber die Schlafphasen. "Wenn Sie ruhig im Bett liegen, wie soll der Tracker denn wissen, in welchem Schlafstadium Sie sind?"

In wissenschaftlichen Untersuchungen von Schlaftrackern zeigt sich dieses Problem besonders deutlich. Die digitalen Geräte liegen zwar oft richtig, wenn sie erkennen sollen, ob jemand schläft. Sie können aber nur schlecht erkennen, ob jemand wach ist (zum Beispiel Sleep: Meltzer et al., 2012; Chronobiology International: de Zambotti, 2015). Das mag widersprüchlich klingen, es sind aber zwei unterschiedliche Fragestellungen. Im Prinzip kann man sagen: Die Tracker erkennen gut, wenn jemand bewegungslos im Bett liegt. Und da man relativ häufig bewegungslos ist, wenn man schläft, erzielen sie da gute Werte. Wacht jemand dann aber auf und bewegt sich nicht, merken sie das nicht.

Nun sind die Untersuchungen teilweise schon älter, manche aus dem Jahr 2012. Und das Problem mit wissenschaftlichen Untersuchungen digitaler Produkte ist: Geräte und Apps sind schnell überholt. Ein Update, ein neuer Tracker, schon kann sich alles geändert haben. Allerdings bleibt es ein Problem, dass die Geräte und Apps bisher auf Sensoren zurückgreifen. Und auch wenn meine Nacht sicher nicht als repräsentativ gelten kann: Sie deutet daraufhin, dass sich auch seit den aktuellsten Studien (Sleep: Chinoy et al., 2019) nicht viel gebessert hat. Schließlich haben wirklich alle Tracker, die ich getestet habe, fundamental versagt.

Lektüre zum Einschlafen kam nicht zum Einsatz. © Jacobia Dahm für ZEIT ONLINE

Schlimmer noch: Sie suggerieren Menschen möglicherweise, dass sie gut schlafen, obwohl das nicht so ist. So wie in meinem Test. Das ist problematisch, weil sich Schlafgestörte dann wahrscheinlich keine Hilfe holen. Dabei leiden viele Menschen hierzulande unter Ein- oder Durchschlafstörungen (Bundesgesundheitsblatt: Schlack et al., 2013). Fietze gibt außerdem zu bedenken: Wer ernsthaft Schlafprobleme habe, für den sei es nicht ratsam, ständig auf einen Tracker zu gucken. "Ein Schlafgestörter darf auf keinen Fall jede Nacht messen, denn das kann in Stress ausarten." Das sei kontraproduktiv. Man müsse dem Schlaf gegenüber gelassen sein.

Trotzdem lehnt Fietze die Tracker nicht komplett ab. Die Geräte sorgten dafür, dass sich Menschen überhaupt mit ihrem Schlaf auseinandersetzten, das sei schon wichtig, sagt der Experte. Er sei selbst auch genervt von dem riesigen Aufwand, den die Polysomnographie erfordere. Doch noch gebe es eben nichts, was genauer sei. Vor allem nicht Schlaftracker.

Als ich das Schlaflabor verlasse, bin ich enttäuscht. Und ziemlich müde. Als ich am Abend wieder im heimischen Bett schlafen kann, ohne Elektroden am Kopf und Gerät um den Bauch, dafür mit den Gilmore Girls, nicke ich sofort ein und wache erst am nächsten Morgen wieder auf. Auch ohne Polysomnographie oder einen Blick auf die Schlaftracker weiß ich: Das war eine gute Nacht.