Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie Ihr Smartphone früher mit nur einer Hand bedienen konnten? Diese Zeiten sind lange vorbei. Mit schuld daran ist das Galaxy Note, dessen neue Version Samsung am Mittwoch vorgestellt hat.

2011, als Samsung das erste Galaxy Note herausbrachte, waren Smartphones noch klein: Apple hatte sich gerade mal getraut, den Bildschirm des iPhone von 3,5 auf 4 Zoll zu verlängern und warb damit, dass man alles auf dem Bildschirm mit einer Hand erreichen konnte.

Das Note dagegen hatte ein für damalige Verhältnisse riesiges Display: 5,3 Zoll. Es war so groß, dass Samsung einen Stylus beilegte, einen digitalen Stift. Wer nicht mit dem Daumen an die App oben links herankam, sollte sie wenigstens irgendwie anders erreichen. Man erfand das Wort Phablet, ein Kofferwort aus Phone und Tablet. Das klang ein bisschen abwertend. Und es war auch oft so gemeint.

Den Kundinnen war das egal, sie kauften das Gerät. Das Note wurde zum Erfolg. Und damit zu einem wegweisenden Gerät für die ganze Branche. Denn Samsung und auch alle anderen Hersteller lernten daraus – Smartphones wurden größer. Samsungs Haupt-Premium-Telefon, das Galaxy S10, hat inzwischen einen 6,1-Zoll-Bildschirm. Das iPhone XS kommt mit einem 5,8-Zoll-Bildschirm, die Plus-Version ist noch größer.

Der Tanker unter den Smartphones

Das Galaxy Note entwickelte sich derweil zu einer Art Tanker unter den Samsung-Smartphones: Wer den geräumigsten Speicher, das größte Display und die meisten Funktionen wollte, kaufte das Note. Es war wegweisend für die weitere Entwicklung der Smartphones, weil es immer kurz nach dem eigentlichen Hauptgerät von Samsung erschien – dem Neuesten aus der Galaxy-S-Reihe – und so zeigte, was in der kommenden Generation möglich sein würde.

Nun erscheint die zehnte Version. Und das Gerät ist wieder wegweisend – weil es das aktuell größte Problem der Smartphonehersteller aufzeigt.

Das Note 10 kommt in zwei Versionen: eine mit 6,3-Zoll-Display und eine Plus-Version mit einem Bildschirm von 6,8 Zoll. Das kleinere der beiden hat drei Kameras auf der Rückseite, das größere vier. Außerdem gibt es eine 5G-Version der Plus-Variante. Den integrierten Stylus kann man nun wie einen Zauberstab schwingen, um etwa die Kamera zu bedienen. Nur die Kopfhörerbuchse fehlt. Samsung sagt, dafür hätte man einen größeren Akku einbauen können. Verfügbar ist das Smartphone ab dem 23. August, der Preis geht bei 949 Euro los. Die 5G-Version ist am teuersten, sie kostet 1.199 Euro.

Das Note 10 soll produktiv und kreativ machen

Die Rückseite des neuen Smartphones schimmert wahlweise perlmuttfarben, blitzt schwarz oder zartrosa. Vor allem das kleinere der beiden Geräte liegt toll in der Hand, obwohl es so groß ist: Die Kanten links und rechts sind abgerundet, sodass man es auch mit kleinen Händen gut umfassen kann, das Display strahlt über die gesamte Vorderseite des Bildschirms.

Nur ein kleines Loch an der Oberseite hat Samsung ausgestanzt, für die Frontkamera. Der Stylus verankert sich mit einem befriedigenden Klickgeräusch im Gerät. Tolle Fotos macht es bestimmt auch – so richtig testen ließ sich das am Mittwoch aber nicht, weil die Geräte beim Test nur im Raum benutzt werden durften. Vergleiche mit anderen Handys waren nicht erlaubt.

Samsung sagt, das Note 10 solle Produktivität und Kreativität fördern. Es soll ein Gerät sein, mit dem nicht nur Selfies gemacht, sondern auch gearbeitet werden kann. Deshalb hat es einen Riesenakku, viel Speicher, das große Display und eben den Stift.

Das Note 10 mit Stift. So richtig nützlich ist er bis heute nicht. © Hannes Schrader für ZEIT ONLINE

Was man damit anstellen soll, ist aber selbst nach den vielen Jahren nicht so richtig klar: Die Handschrifterkennung funktioniert zwar ganz gut, aber auf der virtuellen Tastatur tippt es sich schneller. Ansonsten ist der Stylus vor allem ein Gimmick: Die neuen Gesten, mit der man das Handy quasi fernsteuern kann, zeigte Samsung nur in der Kamera-App. Entwicklerinnen können zwar eigene Gesten in ihre Apps programmieren, allerdings ist es bezeichnend, dass Samsung selbst nicht viel mehr zum Stift einfällt, als durch Gesten zwischen Front- und Rückkamera wechseln zu können (einmal den Stylus von oben nach unten wedeln) und zu zoomen (mit dem Stylus einen Kreis in die Luft malen).

Es gibt noch mehr Gesten. Aber wer einmal versucht hat, ohne Einkaufsliste acht bis zehn Dinge im Supermarkt zu kaufen, weiß, wie lange man sich an acht bis zehn Gesten erinnern wird, die man nur ab und zu mal braucht. Eben.