Fünf Jahre lang täglich 150 Mal auf- und zuklappen, ohne Schaden. Das war das Versprechen, mit dem Samsung im Februar sein erstes faltbares Smartphone stolz präsentierte. Es sollte alles verändern. Dann der Knacks: In Tests wellte sich plötzlich das so gefeierte Display einiger Geräte – genau an der Knickstelle –, auf anderen löste sich die Schutzschicht. Das faltbare Ding warf Falten. Der Verkaufsstart wurde verschoben. Jetzt ist das Galaxy Fold wieder da.

In Südkorea hat der Verkauf schon am Freitag begonnen, in Deutschland soll das Handy ab dem 18. September in den Läden stehen. Und für Samsung geht es um mehr als nur die Frage, ob man das Handy jetzt wirklich unfalllos knicken kann. Es geht um die Zukunft des Smartphonegeschäfts.

Eine leichte Delle gehört dazu

Das Wichtigste vorweg: Das Galaxy Fold scheint jetzt wirklich zu klappen. Zumindest suggeriert das ein erster kurzer Test auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Dort hat auch ZEIT ONLINE das Gerät ausprobiert. Eine ganz leichte Delle ist auf den neuen Geräten am Knickwinkel zu sehen. Die werde auch erst einmal nicht verschwinden, heißt es von Samsung. Nach ständigem Auf- und Zuklappen blieb die leichte Wellung zumindest unverändert. Und wer das Fold ausprobiert, hat sie ziemlich schnell vergessen – sie fällt kaum auf, wenn man surft, Bilder knippst, Apps nutzt oder YouTube-Videos schaut.

Für ein Fazit, ob sich die Falz irgendwann verschlimmert, war die Zeit mit dem Gerät zu kurz. Samsung gibt sich Mühe, Ängste vor neuen Falten zu zerstreuen: Die Schutzschicht, die sich in einigen Tests löste, endete ursprünglich vor dem Rahmen des Bildschirms. Einige Nutzer hätten sie daher für eine Schutzfolie gehalten, wie man sie von neuen Smartphones kennt, und versuchten, sie abzuziehen. Damit das nicht wieder passiert, reicht die Folie jetzt unter den Rahmen. Auch zwei neue Schutzkappen an den Enden der Knickleiste sollen nun verhindern, dass Staub- und Schmutzpartikel unter das Display geraten. Eine dünne Metallschicht auf der Innenseite der Scharniere soll zusätzlich helfen.

Sonst hat sich am Gerät wenig verändert. Nutzerinnen klappen den großen Bildschirm nach innen, so wie sie auch ein Buch schließen würden. Es gibt ein Frontdisplay, das man wie ein gewöhnliches Smartphone nutzen kann. Es misst 4,3 Zoll, der ausgeklappte Bildschirm kommt auf 7,3 Zoll. Das Galaxy Fold hat einen zwölf Gigabyte großen Arbeitsspeicher, mehr als so mancher Laptop. Und die beiden Akkus kommen zusammen auf eine Leistung von gut 4.000 Milliamperestunden. Ein bis zwei Tage soll eine Ladung halten. Neu ist, dass das Galaxy Fold nun auch standardmäßig kompatibel mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G ist.

Was für Multitasker

Und für wen soll das sein? Der ausgeklappte Bildschirm lohnt vielleicht für Vielbeschäftigte: Drei Fenster lassen sich hier parallel öffnen, sodass man gleichzeitig über eine Nachrichtenseite scrollen, die Einstellungen prüfen und in den Kalender gucken kann. Passt irgendwie in eine Zeit, in der Menschen mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen sollen. Ohne sie zu fragen, ob sie das denn wollen. Nichtsdestotrotz lässt sich immer nur ein Feld zu Zeit nutzen.

Das Frontdisplay und der größere Bildschirm arbeiteten im Kurztest problemlos zusammen. Öffnet man etwa Google Maps auf dem kleinen Display und klappt das Smartphone dann aus, wird einem sofort derselbe Ausschnitt angezeigt, nur halt größer. Genauso geht es auch umgekehrt: Faltet man es wieder zusammen, bekommt man den kleineren Ausschnitt auf dem Frontdisplay zu sehen. Standardmäßig ist die Funktion aber ausgeschaltet.

Von Unternehmensseite gibt es auch dieses Mal konkrete Angaben, wie lange der Faltmechanismus halten soll: 300.000 Öffnungen und Schließungen soll er überstehen können, das seien etwa 163 täglich über fünf Jahre hinweg. Reicht das, um das Galaxy Fold zum iPhone-Moment von Samsung werden zu lassen – die ganze Smartphonewelt zu verändern? Die Industrie hätte es nötig.

2019 wird der Wert an verkauften Smartphones voraussichtlich auf 435 Milliarden Euro zurückgehen. Das sind zwei Prozent unter Vorjahr. Auch werden insgesamt wohl weniger Geräte verkauft werden, wie eine Prognose der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigt, die auf der IFA präsentiert wurde. In Deutschland kauften die Menschen zuletzt sieben Prozent weniger Smartphones als im Vorjahreszeitraum. Die GfK macht dafür nicht nur Handelskonflikte verantwortlich, sondern auch "allgemeine Marktsättigungstendenzen".