Lieben Sie Ihren Toaster?

Wahrscheinlich nicht – einen Toaster liebt man nicht, einen Toaster hat man. Er ist da, weil man eben einen braucht. Sie würden ihn wohl kaum amazing, groundbreaking oder innovativ nennen. Er röstet halt Brot. Und Sie würden sich wohl auch keinen neuen kaufen, wenn es Ihr alter noch tut. So ist es mittlerweile ein bisschen mit Smartphones: Fast jeder hat eins, und wenn es nicht ins Klo fällt oder auf dem Asphalt zerschellt, denken sich viele: Passt noch.

Das hat drei Gründe, von denen zwei vor allem auch etwas mit Apples iPhone zu tun haben. Erstens werden Smartphones zwar immer leistungsfähiger, nur schöpfen viele Nutzerinnen und Nutzer dies gar nicht aus: E-Mails lesen und durch Instagram wischen kann man auch auf einem in die Jahre gekommenen Gerät. Zweitens unterstützt gerade Apple viele alte iPhone-Modelle mit aktueller Software – das kommende Betriebssystem iOS 13 wird auch noch auf dem vor vier Jahren erschienenen iPhone 6S laufen. Und drittens werden iPhones immer teurer – das stärkste iPhone kostet mindestens 1.149 Euro.

Apple macht sich selbst Konkurrenz. Auf dem Smartphone-Markt ist inzwischen nicht mehr das neue große Ding von Samsung oder Huawei eine Gefahr, sondern das letzte oder vorletzte iPhone. Einerseits sind zufriedene Kunden super – sie bleiben treu. Aber andererseits sollten die eigenen Kunden auch nicht zu zufrieden sein; sonst kaufen sie ja nichts mehr.

Womit wir bei den neuen iPhones wären. Apple hat am Dienstagabend in seinem Hauptquartier in Cupertino unter anderem neue iPhone-Modelle vorgestellt (lesen Sie mehr in unserem Liveblog nach). Und dort gezeigt, wie sehr das Unternehmen versucht, zu verhindern, dass Ihr iPhone zum teuren Toaster wird.

Zuverlässig, aber nicht mehr so begehrenswert

Wohl auch, um nun mehr Leute zum Kauf anzuregen, wird das iPhone 11 teils etwas günstiger sein als sein Vorgänger. Statt 850 Euro wird der Nachfolger des XR 800 Euro kosten. Das ist für Apple, dessen Preise in der Regel nur nach oben gehen, schon ein großer Schritt. Für das iPhone 11 Pro hingegen, mit drei Kameras auf der Rückseite, müssen Kunden 349 Euro drauflegen.

Auch dass Apple inzwischen so großen Wert auf die Akkulaufzeit legt (alle neuen iPhone-Modelle halten länger durch als ihre Vorgänger) oder die Wasserfestigkeit (bis zu 30 Minuten in zwei Metern Tiefe halten es die neuen iPhones aus, die Pro-Modelle sogar in vier Metern) zeigt, dass das Unternehmen verstanden hat, was seine Kundinnen wollen: Ein Gerät, das man immer bei sich hat, soll vor allem zuverlässig sein, viel abkönnen und für einen da sein.

Diese durchaus erfreulichen, aber eben auch nicht revolutionären Neuerungen verpackten Apple-Chef Tim Cook und sein Marketing-Chef Phil Schiller in die für Apple übliche sehr opulente Rhetorik – das neue iPhone 11 hat natürlich den mächtigsten Prozessor der Welt, macht die besten Videos aller Smartphones und soll auch sonst das beste Ding sein, was die Welt dieses Jahr gesehen hat.

Nur was ist, wenn die Leute immer weniger iPhones kaufen? Erstmals seit sieben Jahren machte Apple im vergangenen Quartal mit dem iPhone weniger als 50 Prozent seines Umsatzes. In einer Welt, in der Geräte unwichtiger werden, verliert Apple. Denn es verdiente schon immer sein Geld damit, dass die Leute teure Hardware kauften – die Software gibt es gratis dazu. Aber wenn etwa Netflix überall läuft, auf dem Fernseher, dem Android-Handy, dem Mac, PC und im Browser, wer braucht dann noch ein langsam besser werdendes iPhone?