Alle reden vom Netzausbau, die Bundesregierung erwägt, die chinesische Firma Huawei am Aufbau des Netzes der fünften Generation zu beteiligen (aus Datenschutzsicht keine so gute Idee). Was genau bedeutet 5G? Und brauchen wir das? Das Wichtigste im Überblick:

Was ist 5G?

Die fünfte Generation des Mobilfunks (5G) soll Daten fast völlig ohne Verzögerung übertragen, und zwar noch schneller als der bisherige Standard 4G, auch Long Term Evolution (LTE) genannt. Grundsätzlich basiert die mobile Übertragung von Daten auf Funksignalen, die unsichtbar, geräuschlos und blitzschnell als elektromagnetische Wellen durch die Luft von einem Ort zum anderen übertragen werden.

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Wie funktioniert Mobilfunk?

Vereinfacht gesagt wandeln Handys (wie auch alle anderen Geräte, die Daten mobil empfangen und übertragen) alles, was wir versenden, geschickt bekommen oder streamen, in digitale Signale um: Sei es der Ton bei Telefonaten, Texte aus SMS und E-Mails, Fotos, Videos oder Musik. All diese Daten werden als elektromagnetische Wellen in bestimmten Frequenzen – angegeben in Gigahertz (GHz) – an Funkmasten gesendet, von dort an Sammelstellen gebündelt weitergeleitet, sodass andere mobile Geräte weit weg vom Absender oder Anrufer diese Daten empfangen und wieder auslesen können. 

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Wie ist das mobile Netz aufgebaut?

Damit wir Mobilfunkdaten senden oder empfangen können, müssen wir uns in einer Funkzelle befinden, in der unser Gerät erkannt wird. Jede dieser Funkzellen hat eine eigene Mobilfunksendeanlage. Wenn wir reisen und unterwegs sind, wechseln wir ständig die Funkzellen. Ist gerade keine verfügbar, zeigt unser Gerät an: kein Empfang. Das ist natürlich auch im Fall von 5G wichtig: Am schnellen mobilen Internet wird nur teilhaben können, wer sich an einem Ort befindet, wo 5G verfügbar ist – das bedeutet: wo ein Funkmast in Reichweite ist, der Daten über diesen neuen Mobilfunkstandard empfangen und senden kann. Das ist bislang nur in einigen wenigen Großstädten in Deutschland der Fall. Ansonsten wird automatisch auf LTE oder den noch älteren Mobilfunkstandard UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) zurückgegriffen.

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Was würde mit 5G besser werden?

Nötig wird 5G vor allem dort, wo Verzögerungen in der Datenübertragung gefährlich werden können – etwa im Fall von selbstfahrenden Autos. Weil mit der neuen Technologie Daten außerdem über sehr viel höhere Frequenzen als bisher übertragen werden können, können richtig viele Daten pro Sekunde versendet werden. Allerdings gilt: Je höher die Frequenz ist, über die die elektromagnetischen Wellen übertragen werden, desto geringer ist ihre Reichweite. Darum ist für die Einführung von 5G ein dichteres Netz aus Masten nötig. Das Senden in hohen Frequenzen hat außerdem eine Diskussion über mögliche Gesundheitsfolgen durch Strahlung ausgelöst.

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Wie schnell ist 5G?

Die Mobilfunkgeschwindigkeit ist in Deutschland nicht gut, auch die Netzabdeckung nicht. Diese Probleme sollten eigentlich schon mit der Einführung des Mobilfunkstandards der vierten Generation, also LTE, gelöst werden. Das war bislang die schnellstmögliche mobile Netzverbindung. Weil das allerdings nun schon neun Jahre her ist, ohne dass deutsche Mobilfunknutzerinnen und -nutzer in einen Geschwindigkeitsrausch geraten, soll nun 5G kommen. Denn damit soll ein Downloadtempo von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde möglich werden, das ist um ein Vielfaches schneller als eine gute LTE-Verbindung. Allerdings werden die ersten 5G-Netze diese Geschwindigkeit nicht erreichen. Schon heute, mit LTE-Verbindungen, ist ein wiederkehrendes Problem, dass die Übertragungsraten deutlich unter denen liegen, die theoretisch möglich wären.

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Wird es 5G-Internet auch auf dem Land geben?

Die Sorge, dass der ländliche Raum nicht sehr schnell mit 5G versorgt wird, ist berechtigt. Es ist schon lange ein Problem, dass sich die Netzabdeckung dünn besiedelter Regionen für die Netzbetreiber rein wirtschaftlich nicht lohnt. Und so existieren bis heute weiße Flecken – Regionen, in denen noch nicht einmal LTE verfügbar ist. 

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Und wenn es bei mir kein 5G gibt?

Kein Problem, denn 4G, also LTE, soll ja weiter funktionieren. Die Netzbetreiber bauen ihre LTE-Netze seit Jahren aus, während das 3G-Netz dünner wird. Denn in absehbarer Zeit soll das 3G-Netz abgeschaltet werden. Und genau hier ist der Haken: Millionen Kunden haben günstige Mobilfunkverträge von Tochterunternehmen der großen Anbieter oder Discountern, die ihnen keinen Zugang zu LTE-Netzen bieten. Oder sie haben schlichtweg Geräte, die technisch dazu gar nicht fähig sind. Ein weiteres Problem kann sein, dass sie ihre Smartphones dort nutzen wollen, wo weder 5G noch 4G verfügbar sind.

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Hilfe, ich hab' nur 3G! Was jetzt?

Ermöglicht der Vertrag oder das Smartphone nur die Nutzung des 3G-Standards, dann wird das in den kommenden ein bis zwei Jahren in der Tat ein Problem. Denn das Netz der dritten Generation (3G) beziehungsweise dessen Standard UMTS wird abgeschaltet, und zwar irgendwann zwischen Ende 2020 (Deutsche Telekom) und "nicht später als 2022" (Telefónica), wie es auf Nachfrage bei den großen Anbietern heißt. Nun hängen allerdings Millionen Menschen in Verträgen fest oder nutzen Geräte, mit denen sie nur über diesen veralteten UMTS-Standard oder noch langsamer mobil surfen. Ohne 3G könnten sie nur noch via EDGE oder GPRS (siehe Kasten) im Schneckentempo der zweiten Generation (2G) durchs Netz kriechen. Was das bedeutet, weiß jeder, der schon einmal versucht hat, eine Website zu öffnen, während im Display mangels anderer verfügbarer Netze das kleine Symbol für EDGE eingeblendet war.

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Warum hat nicht jeder längst LTE?

Neun Jahre nach dem Start der vierten Generation (4G/LTE) in Deutschland könnte man annehmen, dass nur noch wenige Leute so alte Geräte oder Verträge haben, dass das Ende von 3G sie trifft. Doch weit gefehlt: Telekom, Telefónica und Vodafone bieten zwar seit Jahren praktisch nur noch LTE-Verträge an – einige Tochterfirmen und Drittanbieter ließen sie dabei aber lange außen vor. Sprich: Wer vor einigen Jahren beim Smartphonevertrag sparen wollte, surft nun unter Umständen langsamer, mit UMTS (3G). Und da die Netzbetreiber die 3G-Netze schon seit Jahren immer weiter zurückbauen, werden diese Kundinnen und Kunden immer schlechter mit mobilem Internet versorgt.

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Wie viele Menschen werden abgehängt?

In Deutschland gab es 2018 57 Millionen SIM-Karten, deren Inhaber sich lediglich über 3G- oder 2G-Netze einbuchten – das geht aus einem Bericht der Bundesnetzagentur hervor. Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdienstleistern (VATM) geht für 2019 sogar von mehr als 80 Millionen aktiven SIM-Karten aus, die nur 3G oder 2G nutzen konnten. Die Erklärung für die große Differenz zur Zahl der Bundesnetzagentur steht im Kleingedruckten: Der VATM zählt auch die Karten hinzu, die nicht in Smartphones stecken, sondern in vernetzten Maschinen – also in den berühmten vernetzten Toastern und Rauchmeldern des Internet of Things, aber auch in Industriemaschinen oder Autos. Fest steht so oder so: Millionen UMTS-Nutzer würden – Stand heute – ausgebremst, wenn 3G verschwindet.

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Letzter Ausweg neuer Vertrag?

Wer nach der 3G-Abschaltung mit seinem Mobilfunkgerät mehr will als nur telefonieren, SMS schreiben oder in WLANs surfen, wird sich umorientieren müssen. Den Vertrag erweitern oder einen neuen abschließen, der mindestens LTE umfasst, gegebenenfalls den Anbieter wechseln und vielfach auch: ein neues Gerät aussuchen. Einziger Trost: Sowohl bei Discountern als auch bei großen Anbietern kosten LTE-Verträge inzwischen kaum noch mehr als die alten mit UMTS, also 3G.

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Warum soll 3G abgeschaltet werden?

Brauchbare Geräte landen auf dem Müll, wieder sollen wir Geld ausgeben, obwohl die alten Handys und Tablets noch gehen? Warum also nicht wenigstens für alle, die sparen müssen oder an die Umwelt denken, 3G laufen lassen? Ganz einfach: Weil die Frequenzen für LTE und 5G gebraucht werden. Außerdem hat die Bundesnetzagentur den Anbietern, die die Mobilfunkfrequenzen ersteigert haben, Auflagen gemacht: Bis Ende 2019 sollen sie für mindestens 98 Prozent der Haushalte eine Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde bereitstellen – bis Ende 2022 mindestens 100 Megabit pro Sekunde. Beides ist mit 5G und LTE möglich, mit 3G aber nicht.

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