Kennen Sie Golgafrincham? Die Elite dieses fiktiven Planeten in Per Anhalter durch die Galaxis wollte sich eines vermeintlich überflüssigen Teils der Bevölkerung entledigen und schoss die Mitbürger unter einem Vorwand ins Weltall. Darunter waren allerdings auch die Telefondesinfizierer und so kam es, wie es kommen musste: Die verbliebenen Bewohner starben aus, weil sie sich eine tödliche Seuche über ein nicht desinfiziertes Telefon einfingen. Tja, nun.

Zurück zur Realität auf dem Planeten Erde: Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich weltweit aus und der beste Tipp, den die Menschen nach Sicht von Experten befolgen können, ist Abstand zu kranken Menschen halten und ein so regelmäßiges wie intensives Händewaschen. Die Erreger breiten sich zwar vor allem über Tröpfcheninfektion aus, aber auch eine Schmierinfektion über Oberflächen ist denkbar. Und was fassen wir unzählige Male am Tag an? Genau, unser Smartphone. Auch wenn der Tod der Menschheit deshalb noch lange nicht bevorsteht: Golgafrincham lässt grüßen.  

Tatsächlich spielen Smartphones in den meisten Tipps zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus kaum eine Rolle. Dabei könnte es durchaus sinnvoll sein, die Geräte regelmäßig zu säubern und zu desinfizieren. Schon deshalb, weil wir nicht nur das Smartphone ziemlich oft anfassen, sondern auch unser Gesicht, mögliche Erreger also schnell vom einen aufs andere wandern können. 

Coronaviren können sich über Oberflächen verbreiten

Eine häufig zitierte Untersuchung der US-Plattform dscout fand 2016 heraus, dass Menschen durchschnittlich etwa 2.600-mal am Tag den Bildschirm ihres Smartphones berühren. Eine Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte ergab 2018, dass US-Bürgerinnen und Bürger ihr Handy jeden Tag etwa 52-mal in die Hand nehmen. Und eine Umfrage des Gesundheitsunternehmens Vital Vio kam vergangenes Jahr zu dem Ergebnis, dass 88 Prozent der Befragten ihr Smartphone schon einmal sowohl auf der Toilette als auch in öffentlichen Verkehrsmitteln genutzt haben.

So ist es nicht verwunderlich, dass Smartphones ein ziemlich guter Träger für Viren und Bakterien sind. Eine im Februar veröffentlichte Studie (Journal of Hospital Infection: Simmonds et al., 2020) fand heraus, dass vor allem die Geräte von Krankenhausmitarbeitern teilweise multiresistente Keime enthielten. Aber auch die Smartphones der Kontrollgruppe waren alles andere als sauber: Von Streptokokken über MRSA hin zu E. coli konnten diverse Erreger festgestellt werden. Ein Befund, den auch schon frühere Studien bestätigten (Germs: Kõljalg et al., 2017). Allerdings: Viele der entdeckten Keime begegnen uns ohnehin im Alltag, Smartphone hin oder her.

Sars-CoV-2 dagegen ist in unserem Alltag nicht allgegenwärtig, noch nicht jedenfalls. Aber auch es könnte theoretisch über Smartphones übertragen werden. Das Bundesamt für Risikobewertung schreibt zwar, dass es bislang keine Fälle gebe, bei denen eine Übertragung über unbelebte Flächen nachgewiesen wurde. Ganz einfach, weil die Viren auf trockenen Oberflächen generell nicht sehr lange überleben können. Völlig ausgeschlossen ist eine Schmierinfektion deshalb aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn der Zeitraum zwischen dem Kontakt mit einem kontaminierten Objekt und den Schleimhäuten sehr kurz ist.

"Wir wissen, dass Coronaviren auf unbelebten Flächen über mehrere Tage nachgewiesen werden können", sagte der Hygiene- und Umweltmediziner Günter Kampf im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Für eine aktuelle Übersichtsstudie (Journal of Hospital Infection: Kampf et al., 2020) hat er Oberflächentests des eng verwandten Sars-Virus verglichen. Das Ergebnis: Sars konnte auf Glas bis zu vier Tage lang nachgewiesen werden. Er geht davon aus, dass dies bei Sars-CoV-2 ähnlich ist. Im Laufe der Zeit nehme die Zahl der Viren allerdings immer weiter ab, sagt Kampf. Trotzdem sei eine Übertragung von der Oberfläche über die Hand zu Schleimhäuten denkbar.

Ausgangssperre - Leere Straßen in Paris In Frankreich gilt seit Dienstagmittag eine weitgehende Ausgangssperre. Die Regierung will landesweit 100.000 Polizisten mobilisieren, um die Maßnahme durchzusetzen. © Foto: Reuters TV