Die Corona-Warn-App war gerade erst wenige Stunden veröffentlicht, da nutzte Kristina Wolfinger sie schon, um sich als infiziert zu melden. Damals, Mitte Juni, saß sie zu Hause in einem Dorf am Rande des Schwarzwalds. In Quarantäne. Die Physiotherapeutin hatte eine Patientin behandelt, bei der später das neue Coronavirus festgestellt wurde. Trotz Mund- und Nasenschutz hatte sich Wolfinger angesteckt: Sie wurde ebenfalls positiv getestet. Sie hatte zwar keine Symptome, wurde aber vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt. "Ich dachte mir: Ich habe ja Zeit, ich lade mir die App mal runter", erzählt sie rückblickend. Und beschloss, sich auch in der App als positiv getestet zu melden.
Über die Corona-Warn-App ist viel berichtet worden: wie sie funktioniert, auf welchen Smartphones, welche Funktionen man ihr erlauben muss, welche Fehler vorkommen können. Doch über den Prozess, wie sich Menschen positiv melden können, gibt es wenige Informationen. Und noch weniger darüber, was eigentlich passiert, wenn eine Person, die mal positiv getestet wurde, die Erkrankung überstanden hat. Die Macher der App scheinen jedenfalls nicht so richtig bedacht zu haben, dass ein Infizierter irgendwann ja im besten Fall auch wieder virenfrei ist.
Die Corona-Warn-App wurde mittlerweile mehr als 15 Millionen Mal heruntergeladen. Wie viele Nutzerinnen und Nutzer sich wie Wolfinger in der App als infiziert gemeldet haben, ist unklar, Schätzungen zufolge dürften es einige Hundert sein. Die Anwendung soll dabei helfen, Infektionsketten möglichst zu unterbrechen. Menschen, die mit Infizierten in Kontakt standen, sollen in der App gewarnt werden, dass sie ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben – das soll schneller funktionieren als die klassische Kontaktverfolgung durch Gesundheitsämter und außerdem auch flüchtige Kontakte in Bus, Restaurant oder auf dem Marktplatz abdecken. Wer gewarnt wurde, soll sich kostenlos testen lassen dürfen und sich frühzeitig sozial isolieren.
Technisch gesehen passiert dabei Folgendes: Begegnen sich zwei Menschen in geringem Abstand länger als zehn Minuten und beide haben die App auf ihren Smartphones installiert, tauschen die Geräte via Bluetooth zufällig generierte Schlüssel aus. Stellt sich später heraus, dass eine Person positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde, kann sie ihre Tagesschlüssel auf einen Server hochladen – so können Menschen, die mit ihr in engem Kontakt standen, per App gewarnt werden.
Zu dem Zeitpunkt, als sich Wolfinger über die App krankmeldete, war ihr bewusst, dass das in ihrem Fall nicht besonders viele Infektionsketten unterbrechen dürfte – befand sie sich doch schon zum Zeitpunkt des Downloads in Quarantäne. Bedeutet: Sie hatte niemanden getroffen, ihr Smartphone hatte also auch keine Schlüssel mit anderen Geräten austauschen können. Doch sie sei neugierig gewesen und habe ja auch die Zeit gehabt, sagt sie. Deswegen habe sie die App trotzdem heruntergeladen. Und Zeit sollte sie tatsächlich brauchen.
Hotline, bitte melden!
Wer sich in der Corona-Warn-App infiziert melden will, soll sein positives Testergebnis eigentlich in der App über einen QR-Code verifizieren können. Da die technischen und organisatorischen Voraussetzungen in den Laboren dafür aber oft noch nicht erfüllt sind, hat die Telekom-Tochter T-Systems zusätzlich eine Telefonhotline eingerichtet. Über sie sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prüfen, ob Anruferinnen und Anrufer tatsächlich getestet wurden.
Doch am ersten Tag, als Wolfinger wenige Stunden nach App-Veröffentlichung die Hotline anrief, hörte sie wieder und wieder einen automatischen Ansagetext: Auf Deutsch, auf Englisch und auf Türkisch erklärte eine Stimme minutenlang, wie der Prozess genau ablaufe. War die Ansage vorbei, wurde ihr nur mitgeteilt, dass sich alle Mitarbeiter im Gespräch befänden und sie es darum doch bitte später noch einmal versuchen solle. "Das habe ich dreimal an diesem Tag gemacht, dann war es mir zu doof", sagt Wolfinger.
Tags drauf landete sie in einer Warteschleife. Und zwar eine ganze Weile. "Da man in Quarantäne zu Hause viel Zeit hat, habe ich mein Telefon einfach mit mir herumgeschleppt", sagt Wolfinger. Sie sagt auch: Wenn sie normal beschäftigt gewesen wäre, hätte sie sich das nicht angetan. Die Erfahrungen von Corona-Erkrankten unterscheiden sich in dieser Hinsicht offenbar: Ein Infizierter, der sich ebenfalls über die Hotline meldete, sagte tagesschau.de, er habe nicht warten müssen.
Als Wolfinger zu einem Mitarbeiter durchgedrungen war, fragte er sie, wer sie wann getestet habe, interessierte sich für Details im Ablauf. Der Mitarbeiter erklärte ihr, er müsse ihre Erzählungen prüfen, sie hinterließ ihre Telefonnummer und legte auf.
Die Corona-Warn-App war gerade erst wenige Stunden veröffentlicht, da nutzte Kristina Wolfinger sie schon, um sich als infiziert zu melden. Damals, Mitte Juni, saß sie zu Hause in einem Dorf am Rande des Schwarzwalds. In Quarantäne. Die Physiotherapeutin hatte eine Patientin behandelt, bei der später das neue Coronavirus festgestellt wurde. Trotz Mund- und Nasenschutz hatte sich Wolfinger angesteckt: Sie wurde ebenfalls positiv getestet. Sie hatte zwar keine Symptome, wurde aber vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt. "Ich dachte mir: Ich habe ja Zeit, ich lade mir die App mal runter", erzählt sie rückblickend. Und beschloss, sich auch in der App als positiv getestet zu melden.