Nadine Angerer
Foto: RAUCHENSTEINER Zeit.de: Was sagen Sie zum Ausscheiden der Deutschen Nationalmannschaft aus der EM? Nadine Angerer: Schade. Das Problem war, dass in der zweiten Halbzeit genug Chancen da waren. Wenn man die genutzt hätte, wären wir weiter gewesen. Aufgrund der zweiten Halbzeit hätten wir das, glaube ich, auch verdient. Zeit.de: Die erste Halbzeit haben die Deutschen ja quasi verschlafen. Angerer: Ja, die Angst vorm Rausflug, die Aufregung und Nervosität hat man den Spielern schon sehr angemerkt. Zeit.de: Wie war Ihr Eindruck dagegen von der tschechischen Mannschaft? Angerer: Gut. Sie hatten ja keinen Druck mehr und nichts zu verlieren. Sie waren gut, obwohl sie mit einer B-Mannschaft gespielt haben. Die Tschechen haben befreit und souverän gespielt. Mitte der zweiten Halbzeit kamen sie natürlich noch mal unter Druck, aber haben die Sache ganz locker runtergespielt. Zeit.de: War denn die B-Elf der Tschechen, ohne Spitzenspieler wie Nedved oder Rosicky, wirklich schwächer? Es sind ja immerhin insgesamt 23 gute Nationalspieler. Angerer: Ja, aber Spieler wie Nedved können ein Spiel auch alleine entscheiden. Ich denke, es war schon ein Vorteil, dass die heute nicht dabei waren. Wer weiß, wie es dann ausgesehen hätte. Zeit.de: Lag denn die Niederlage auch in den Schwächen des deutschen Sturms begründet? Oder war auch Pech dabei – wie der Lattenschuss von Ballack? Angerer: Ja klar. Die Chancen waren da, nur die Chancenauswertung war mangelhaft. So was rächt sich dann im Spiel, das ist eine alte Fußballweisheit. Wenn man vorne die Tore nicht macht, dann rächt sich das irgendwann. Ist ja später auch eingetreten. Die Chancen waren Mitte der zweiten Halbzeit auf jeden Fall zuhauf vorhanden. Zeit.de: Haben Sie denn das Hollandspiel auch verfolgt? Der umstrittene Foulelfmeter und das angebliche Abseitstor? Das würde ja zusätzlich Pech für Deutschland bedeuten, wenn der Schiedsrichter dort falsch gepfiffen hätte. Angerer: Das ist Schicksal. Ich habe den Elfmeter gesehen und es war auch keiner. Zeit.de: Ihr abschließendes Fazit zur Nationalelf: war es mehr Pech oder doch Unvermögen? Angerer: Unvermögen. Zeit.de: Wie kann sich die Nationalmannschaft auf die WM 2006 vorbereiten? Angerer: Die jungen Spieler und das Potential sind da. Jetzt muss der absolute Cut kommen und ein Neuanfang gestaltet werden. Der Nachwuchs ist sehr gut und darauf muss man aufbauen. Zeit.de: Letzte Frage: Wer wird Europameister 2004? Angerer: Ich hoffe sehr, dass es Schweden wird. Zeit.de: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Angerer. Das Gespräch führte Clara Ott für Zeit.de