Manche mögen's heiß ist nicht nur ein Film mit Marilyn Monroe sondern auch eine ziemlich zutreffende Beschreibung meteorologischer Vorlieben. Ergänzt man den Filmtitel nur ein wenig, kommt man der Wahrheit sogar schon sehr nahe: Manche mögen's heiß, andere gar nicht, und wieder andere hassen Regen. So könnte man die Erkenntnisse des holländischen Psychologen Theo Klimstra zusammenfassen. In seiner Studie fand er nämlich heraus, dass es drei Arten Menschen gibt, deren Befinden vom Wetter abhängig ist: Sommerliebhaber (16 Prozent), Sommerhasser (27 Prozent) und Regenhasser (9 Prozent). Den restlichen 48 Prozent kann das Wetter stimmungsmäßig kaum etwas anhaben.

In der deutschen Sprache jedenfalls ist eine eindeutige Tendenz zu erkennen: Sonne ist gut, Schmuddelwetter ist schlecht. Wir haben ein sonniges Gemüt oder eine eisige Aura und machen ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Und schiebt irgendjemand ernsthaft einen Sommerblues?

Biometeorologen bestätigen, dass bei mildem, wolkenarmen Wetter die wenigsten Gesundheitsbeschwerden auftreten. Schlägt das Wetter um, leidet knapp die Hälfte der Deutschen unter Kopfschmerzen, Rheuma oder Herz-Kreislauf-Problemen. Stubenhocker spüren die Umschwünge stärker, weil ihr Körper vor allem gleichbleibende Temperaturen gewohnt ist. Die Biometeorologen bestätigen auch, dass das Sonnenlicht Stresshormone abbaut und unser Immunsystem stärkt.

Keine Sonne ist gefährlich

Die Winterdepression (Seasonal Affective Disorder: SAD), die bereits der berühmte Mediziner Hippokrates beschrieb, tritt umso häufiger auf, je nördlicher die Menschen leben. In Norwegen und Irland leiden über 20 Prozent der Bevölkerung an SAD, in Holland und Deutschland etwa 10 Prozent und in Spanien gerade einmal 2 Prozent. Eine Langzeitstudie, bei der 29.518 Schwedinnen über 20 Jahre lang untersucht wurden, kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Fehlendes Sonnenlicht erhöht das Sterberisiko um denselben Faktor wie Zigarettenrauchen.

Kein Wunder, dass man in der Literatur kaum Kältefreunde findet, dafür aber umso mehr Sonnenanbeter. Einer von ihnen war Heinrich Heine, der während seiner Italienreise auf das deutsche Wetter schimpfte: "In unserem Lande ist es sehr frostig und feucht, unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muss bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will." Friedrich Nietzsche wanderte gleich ganz nach Italien aus, denn "in den gebildeten Kreisen des Nordens herrscht das Winter-Siechtum, der Deutsche erscheint wie ein verkümmerter Ofenhocker".

Auch Albert Camus – aufgewachsen im sonnigen Algerien – liebte den Sommer, das Meer und gebräunte Körper. Im Pariser Exil schimpfte er über die "Trostlosigkeit dieses trüben Himmels, der glänzenden Dächer, dieses endlosen Regens. Hier genießt der Körper kein Ansehen mehr. Er wird bedeckt, verborgen unter unförmigen Hüllen." Seine Philosophie, die Camus als "Sonnendenken" bezeichnete, strotzt nur so vor Lichtmetaphern: "Wenn die Welt in Licht getaucht ist, wenn die Sonne brennt, habe ich Lust zu lieben und zu umarmen, in Körper wie in Lichter hineinzugleiten, in Sonne und lebendigem Fleisch zu baden. Wenn die Welt grau ist, erfüllt mich Wehmut."

Trivial? Ja, natürlich: Der Small Talk über die Farbe des Himmels und den Ausschlag der Quecksilbersäule ist absolut belanglos und gerade deswegen so verbreitet. Über das Wetter lässt sich schlecht streiten (Klimawandel einmal ausgenommen). "Wenn die Leute mit mir über das Wetter reden", notierte Oscar Wilde einmal, "bin ich mir stets sicher, dass sie etwas ganz anderes meinen."