In den USA wird der Trend durch eine rasante Überalterung der Bevölkerung angetrieben. Die Baby-Boomer, die geburtenstarke Generation der Nachkriegszeit, erreicht das Rentenalter. Laut einer Harvard-Studie wird die Anzahl der Haushalte, deren Vorstand älter als 65 ist, in den kommenden 20 Jahren von fünf auf 20 Prozent anwachsen. Rund 78 Millionen Amerikaner werden bis 2035 im Rentenalter sein. Viele dieser älteren Menschen leben in prekären Verhältnissen und geben einen Großteil ihrer Einkünfte für das Wohnen aus.

In einigen Pilotprojekten hat sich das intergenerationelle Wohnen in den USA bereits bewährt. So hat ein Altersheim in Cleveland den Studenten eines benachbarten Colleges die Tore geöffnet. Die Studenten und die Senioren kochen zusammen, veranstalten gemeinsam Musikabende und die Senioren helfen bei den Seminararbeiten. Ähnliche Projekte werden in Los Angeles, New York und Chicago ausprobiert. Auch in Deutschland gibt es Fürsprecher, der Architekt Matthias Hollwich beispielsweise hat sich auf intergenerationelle Wohnanlagen spezialisiert. In seinem Buch New Aging plädiert er dafür, die Älteren nicht aus dem gesellschaftlichen Leben zu drängen. Das Alter sei kein Lebensabschnitt, der von den vorhergehenden losgelöst sei, meint er. 

Digitale Brücke zwischen den Generationen

Nesterly könnte einen Beitrag zum Zusammenwachsen leisten, in dem es die Generationen vernetzt. Noch befindet sich die Plattform in der Testphase. Acht Vermieter haben zu Beginn des laufenden Wintersemesters Studenten aufgenommen. Brenda Atchison ist eine der ersten Vermieterinnen. Sie sagt: "Bei mir wohnt jetzt ein Architekturstudent aus Griechenland. Allein seine Präsenz in meinem Haus gibt mir so viel Lebensenergie."

Wenn sich Nesterly in Boston durchsetzt, soll es auf Chicago, New York und Los Angeles ausgeweitet werden. Dort soll es, so sagen die Gründerinnen, keinen kommerziellen Schattenmarkt wie Airbnb bilden, der die Verdrängung noch beschleunigt. Ganz im Gegenteil – die App soll Menschen dabei helfen, bis ins hohe Alter zu Hause wohnen zu können. Und dabei, Brücken zur übernächsten Generation zu schlagen.