In Sachen Weltrettung gäbe es gerade ganz gut zu tun. Und was machen die Superhelden? Hängen in Start-up-Büros an ihren Rechnern. Bringen Briefe. Oder radeln mit Restaurantessen quer durch die Stadt. Auch in Jobbörsen sieht man sie seit Jahren: die Sales Superheroes und happyness manager. Die Lieferheldinnen und wizards of light bulb moments. An die Anglizismen haben wir uns halbwegs gewöhnt, wissen, dass der facility manager eigentlich Hausmeister ist, die office managerin "nur" die Sekretärin. Aber dieses Blockbustervokabular wundert uns immer noch. Verspricht man uns da einen Büroalltag voller Action? Einen Nebenjob wie den von Bruce Wayne?

Man sollte Jobtitel eher spielerisch verstehen, sagt der Marketingstratege Adam Broitman, selbst Ringleader seiner eigenen Tech-Innovationsagentur Cir.cus. Mit Titeln unkonventionell umzugehen findet er logisch, besonders in Branchen, in denen es um Ideen geht. An seiner Seite kämpfen sich digital overlords, direct mail demi gods, marketing ninjas und brand warriors durch lichtdurchflutete Lofts.

Zunächst mal darf man beruhigt sein: "Unsere Jobtitel beschreiben kaum exakt das, was wir wirklich tun", weiß Nicole Williams vom Businessportal LinkedIn, die sich selbst ganz klassisch Karriereexpertin nennt. Als solche hat sie nämlich kaum Zweifel, dass allzu kreative Titel unpraktikabel und oft einfach nicht ernst zu nehmen sind. Erst recht, wenn sie unverständlich sind. Den Trend zur Flapsigkeit führt Williams darauf zurück, dass Berufsbilder heute zwar häufig spezialisiert, aber auch schwer definierbar sind. Früher waren es die Großmütter, die nicht verstehen wollten, was der Enkel beruflich eigentlich macht. Heute gibt es ganze Großraumbüros voller heroes, die es mitunter selbst nicht mehr wissen.

Ninjas auf Hüpfbällen

Aus Arbeitgebersicht dienen Berufstitel seit Beginn des Industriezeitalters vor allem dazu, interne Strukturen zu definieren. Das tun sie auch heute, aber Hierarchien werden vermeintlich flacher, die Außenwirkung wichtiger. Mit der "richtigen Sprache" in Stellenangeboten können sich Firmen von der Konkurrenz abheben und gezielt Talente anwerben, sagen Unternehmensberater, während Personalentwickler (human talent developers!) reihenweise übers Ziel hinausschießen.

Das niederländische Vergleichsportal für Weiterbildungsangebote Springest bleibt relativ klassisch, wenn es nach sales superheroes sucht. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Sie lounged nur, dabei kommen ihr die besten Ideen. Besonders gern gesehen: die etwas ironischen. "Wir leben in einer lustigen Welt", sagte der Joker einmal zu Batman. In jeder Witzelei steckt ein wenig Wahrheit, erklärte uns Dr. Freud.

Im Job wird die Bereitschaft, sich selbst nicht ganz ernst zu nehmen, längst als ernst zu nehmender Erfolgsfaktor verstanden. "Es hebt die Stimmung und bringt Leute zum Denken", findet Chris Young, dessen Firma Fachkräfte vermittelt. Für ihn sind Titel Teil eines "Geisteszustands". Das Klischee schießt einem gleich in den Kopf: Ninjas auf Hüpfbällen an Laptops oder Nintendo-Switch-Konsolen – leger gekleidet, männlich und jung.

Es sind vor allem Millennials, die sich von exotischen Jobausschreibungen angesprochen fühlen, sagt Business-Coach Roy Cohen; sie möchten "besonders" sein und sehnen sich nach einer Intensität, die ihnen der Alltag nicht gibt. Aber auch Babyboomern, die Angst haben, am Arbeitsmarkt bald nicht mehr gebraucht zu werden, gefallen Titel, die das Gegenteil suggerieren: You are someone. You mean something, um es mit Batmans Worten zu sagen.