"Unser Leben ist nicht euer Porno": Teilnehmerinnen eines Frauenmarschs gegen Spycam-Pornos in Seoul. © Ed Jones / Getty Images

Die Website hieß Soranet, hatte mehr als eine Million Nutzer und war ein Treffpunkt von Frauenhassern. Nachdem Nutzer dort mehrfach zu Vergewaltigungen aufgerufen hatten, wurde die Seite 2016 verboten. Ohne den Druck von Frauenrechtsaktivisten wie Ha Yena wäre das aber wohl nicht passiert. Außerdem sind andere Websites entstanden, die Soranet einfach kopiert haben.    

Technologien verändern menschliche Beziehungen, auch die Sexualität – und die Art der Sexualdelikte. Laut einer Studie der Vereinigung koreanischer Anwältinnen hatten 2006 rund 3,6 Prozent aller Sexualdelikte mit Spycams zu tun, 2015 waren es 24,9 Prozent. Die Strafverfolgung hinkt der Realität hinterher. "Unsere Möglichkeiten sind beschränkt", sagt ein Beamter der Spezialeinheit für Cybercrime der Bundespolizei Korea, der seinen Namen nicht nennen will. "Meldet sich ein Opfer, untersuchen wir den Fall natürlich. Ansonsten wird es schwierig. Wir können nicht das ganze Material im Netz daraufhin prüfen, ob eine Aufnahme relevant für uns sein könnte." Bei den wenigen Fällen, die vor Gericht landen, erwarten rund 90 Prozent der Täter eine Bewährungsstrafe oder eine Geldstrafe von bis zu 8.000 Euro.

Landesweite Proteste

Im Mai gab es landesweite Proteste, unter dem Motto "Unser Leben ist nicht euer Porno" versammelten sich Zehntausende Frauen im Zentrum von Seoul. Unter dem Druck der Proteste erklärten die Polizei und die Regierung den Spycams den Kampf. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In nannte die heimlichen Aufnahmen "ein bösartiges Verbrechen". Der Polizeichef des Landes sagte, man habe mehr als 1.000 Verdächtige aus der Spycam-Pornoindustrie ins Visier genommen (von denen letztlich gerade einmal 63 für weitere Befragungen in Untersuchungshaft kamen). Die Stadt Seoul verkündete, sie wolle 8.000 Leute anstellen, um öffentliche Toiletten auf versteckte Kameras zu untersuchen. Frauenrechtlerinnen halten die Maßnahmen für wenig hilfreich. Sie fordern, dass die Regierung den Verkauf von Spycams beschränkt und das heimliche Filmen härter bestraft.

Kurz nach den Verlautbarungen der Regierung ging ein weiteres Spycam-Opfer an die Öffentlichkeit. Unter ihrem Familiennamen Choi berichtete die junge Frau, dass sie nackt in ihrer Wohnung in einem Hochhaus gefilmt wurde. Eine Nachbarin hatte einen Mann mit Kamera im Haus gegenüber beobachtet und war daraufhin zur Polizei gegangen. Die Beamten befragten den Mann, und ließen ihn wieder gehen. Erst nach einer Woche durchsuchten sie seine Wohnung. Choi musste befürchten, dass er die Aufnahmen in der Zwischenzeit online stellte oder Kopien anfertigte.