Unter natürlichen Umständen würde eine Frau in ihrem Leben im Durchschnitt fünfzehnmal schwanger werden. Zehn Babys würde sie auf die Welt bringen, sieben davon würden überleben. Seit Jahrhunderten versuchen Menschen, auf legalen und illegalen Wegen, Schwangerschaften zu beenden. Sie suchen Hilfe in Kliniken und schmutzigen Hinterhöfen. Das Recht auf Selbstbestimmung ist nur einer von vielen Gründen. Die Fotografin Laia Abril hat einen Band – zwischen Kunstwerk und Geschichtsbuch – veröffentlicht, der sich mit den Akteurinnen und Akteuren, Risiken, Werkzeugen und moralischen Fragen dieser in vielen Ländern kriminalisierten Eingriffe auseinandersetzt und aus dem hier einige Bilder gezeigt werden. In On Abortion (Dewi Lewis 2018, 196 Seiten, 29 Euro) erinnert die junge Spanierin in nüchternen Fotografien an die ersten Verhütungsmethoden, zeigt die sperrigen Alltagsgegenstände, die benutzt wurden, um Schwangerschaften zu verhindern, und dokumentiert die Schicksale unzähliger Frauen. Überlebender wie Toter. Eine von ihnen ist die Amerikanerin Gerri Santoro. Die 28-Jährige verblutete 1964 nach einem illegalen Schwangerschaftsabbruch allein in einem Hotelzimmer in Connecticut. Das Bild ihres zusammengekrümmten Körpers wurde zum Aushängeschild der amerikanischen Pro-Choice-Bewegung. Auch Abrils Haltung ist eindeutig: Sie will sich mit ihrem Bildband dafür einsetzen, Schwangerschaftsabbrüche von den sozialen Stigmata und Tabus zu befreien. Auch in Europa. In Polen dürfen Frauen beispielsweise bis heute nur abtreiben, wenn sie nachweisen können, dass eine Gefahr für ihr eigenes Leben besteht. In Deutschland wird der Eingriff ebenfalls immer wieder kontrovers diskutiert. On Abortion ist das erste Kapitel von Abrils umfangreicher Auseinandersetzung mit der Geschichte der Misogynie. Ihr nächstes Projekt heißt: On Rape Culture.