Es ist nur ein kleines Stückchen Sand. Trotzdem will man in den Bildern sofort ein Gesicht, ein Tier, eine Landschaft, kurz: eine andere Welt erkennen und sich in eine märchenhafte Geschichte hineinfallen lassen. Der Fotograf und Dokumentarfilmmacher Alfred Ehrhardt, geboren 1901, brauchte keine Geschichten. Ihm reichten tatsächlich dieses kleine Stückchen Sand und ein paar Wellen, die das Meer über den Sand spülte. Die legendären Watt-Fotos von Alfred Ehrhardt, entstanden Anfang der Dreißigerjahre, waren eine Ode an die Natur. Ehrhardt hatte am Bauhaus in Dessau bei Josef Albers und Oskar Schlemmer studiert. Ihn faszinierten Strukturen, Texturen und Frakturen, das Zusammenwirken von Naturkräften. Ganz im Sinne der Neuen Sachlichkeit. Seine analogen Fotografien waren Materialstudien, keine surrealistischen Traumbilder. Bei dem US-Fotograf David Batchelder (geboren 1939) ist das ganz anders. Gleichzeitig sind seine zeitgenössischen Werke eine große Hommage an Alfred Ehrhardt und führen die einstige Bauhaus-Idee fort. Batchelder arbeitet mit einer digitalen Kamera und interessiert sich vor allem für das Chaotische und die Welt der Fantasie. Er entlockt dem Küstenstreifen der Isle of Palms in seiner Heimatstadt Charleston in South Carolina erstaunliche Sandformationen, die mit analoger Technik wahrscheinlich im Verborgenen geblieben wären. Die Annäherungsversuche zwischen Wissenschaft und Poesie, von denen wir eine Auswahl zeigen, wurden nun in dem Katalog "Alfred & Me" (Michael Imhof Verlag) einander gegenübergestellt. Bis zum 7. Juli 2019 sind sie außerdem in der Alfred-Ehrhardt-Stiftung in Berlin ausgestellt.