Von Beginn an war das Menschsein auch ein Kampf gegen die Natur. Flora, Fauna, Wetter, all das war potenziell giftig, hungrig, stürmisch. Es sollte fast zwei Millionen Jahre dauern, bis der Homo Sapiens sich derart von seiner Umwelt abgekapselt hatte – er lebte jetzt in Städten, unter Dächern, hinter Wänden – dass er sie plötzlich wieder vermisste. Also holte er sie sich in beherrschbaren Dosen zurück: Er pflanzte Bäumchen in Vorgärten und stellte Topfpflanzen auf Fensterbretter. Von der ambivalenten Beziehung des Menschen zur einstmals bedrohlichen Natur erzählt der Bildband Colazione sull'Erba, "Frühstück auf dem Gras", des Künstlers und Fotografen Luigi Ghirri (1943-1992). Die Bilder entstanden in den Siebzigerjahren in der norditalienischen Stadt Modena, wo Ghirri zu der Zeit lebte.