Wenn die Hoffnungen auf ein besseres Leben an einen Ort geknüpft sind, dann ist es die Großstadt. Inzwischen leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Der brasilianische Fotograf Miguel Rio Branco ist fasziniert von Metropolen, allen voran Rio de Janeiro, wo er seit dem Ende der Siebzigerjahre lebt. Für seinen kürzlich erschienenen Bildband Maldicidade hat Branco Fotografien ausgewählt, die die Stadt als einen Ort der Möglichkeiten infrage stellen. Er zeigt die Gescheiterten. Jene, für die sich das urbane Versprechen nicht nur nicht eingelöst, sondern in sein Gegenteil verkehrt hat. Obwohl Branco in verschiedenen Städten fotografierte – neben Rio auch in New York, Havanna, Salvador de Bahia und Tokio – verzichtet er darauf, die einzelnen Bilder zu verorten. Er entwirft eine düstere Weltstadt der geplatzten Träume – einen Ort, an dem jedes Lächeln den Verhältnissen abgetrotzt ist.