In ihrer Geschichte über ein junges Mädchen, das im heimischen Wohnzimmer Kapitänin spielt, möchte die Onlineinitiative Hooligans Gegen Satzbau kindgerecht vermitteln, was für sie nicht diskutabel sein sollte: Ist jemand in Not, muss ihm geholfen werden. Die Heldin des Kinderbuchs hat viele Parallelen zu der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete. Im Interview erzählt der Sprecher der Initiative, wie das Buch entstanden ist, warum es manchmal richtig ist, zu helfen, auch wenn dafür Ärger droht, und was Erwachsene von ihrem Nachwuchs lernen können.

ZEIT ONLINE: Wir müssen zuerst über Ihren Namen sprechen: Sie nennen sich Hooligans gegen Satzbau. Verstehen Sie sich als Hooligans?

Hooligans Gegen Satzbau: Nein, um Gottes willen. Der Name war ein Wortwitz, der vor fünf Jahren entstanden ist. Damals gab es die sogenannten Hooligans gegen Salafisten, die vor allem durch eine große Demonstration in Köln 2014 bekannt geworden sind. Sie stammen tatsächlich aus der gewalttätigen Hooliganszene. Um uns über die Gruppe und vor allem über die Rechtschreibfehler in ihren Texten lustig zu machen und ihre Absurdität vorzuführen, haben wir uns Hooligans gegen Satzbau genannt und ihr #hogesa gekapert. Das war auch unsere Gründungsstunde. Danach haben wir den Namen einfach beibehalten, auch wenn er nicht mehr Programm ist.

Hooligans gegen Satzbau (#HoGeSatzbau) sind eine ehrenamtliche Onlineinitiative, die sich 2014 als digitale Antwort auf einen zunehmenden Rechtsruck gegründet hat. Seitdem kommentieren sie das Weltgeschehen, entlarven Falschaussagen und rufen zu einer differenzierten Diskussion auf. Im Jahr 2016 wurden sie dafür mit dem Smart Hero Award ausgezeichnet.

ZEIT ONLINE: Ihre Initiative tritt seit der Gründung nur mit Masken und unter Pseudonymen auf. Warum?

Hooligans Gegen Satzbau: Wir finden, es spielt für die Arbeit, die wir machen, keine Rolle, wer und wie viele wir sind. Außerdem möchten wir unsere Privatsphäre schützen. Das ist heutzutage wegen des Internets ja nicht immer so einfach. 

ZEIT ONLINE: Gerade ist Ihr Kinderbuch Käpt*in Rakete erschienen. Worum geht es in dem Buch?   

Hooligans Gegen Satzbau: Wir nehmen uns in dem Buch des Themas Seenotrettung an. Die Geschichte erzählt von einer abenteuerlichen Reise auf der Kogge Wackelzahn und den Herausforderungen, die unsere Heldin Käpt*in Rakete meistern muss, um Freunde wie Teddy, Raupe und Spinne aus einem schlimmen Unwetter zu retten. Auf einem ganz kindlichen Niveau geht es im Kern der Geschichte darum, was es heißt, füreinander da zu sein.

ZEIT ONLINE: Es gibt in der Geschichte viele Parallelen zu Kapitänin Carola Rackete, die im Juni mit 40 Migranten und Flüchtlingen an Bord des deutschen Seenotrettungsschiffs Sea-Watch 3 trotz Anlandeverbot in den Hafen von Lampedusa eingelaufen ist. War das Ereignis die Initialzündung für das Buch?

Hooligans Gegen Satzbau: Ja, die Initialzündung war aber nicht das Verbot der Anlandung, sondern, dass Carola Rackete einfach angelegt hat. Ursprünglich sollte es eine richtige Graphic Novel werden, aber das hätten wir so schnell nicht geschafft und eine Graphic Novel wäre für uns auch etwas zu ernst gewesen. Wir wollten etwas Überraschenderes machen und die Geschichte dieser toughen Frau für Kinder aufbereiten. Wir haben den Text geschrieben, die Illustrationen hat das Team um Nils Bülow aus der Mosaik-Redaktion übernommen, die übrigens auch die berühmten Abrafaxe zeichnen.

ZEIT ONLINE: Was wollen Sie Kindern mit der Geschichte vermitteln?

Hooligans Gegen Satzbau: Das Tolle an Kindern ist, dass sie keinen Unterschied zwischen Menschen, Hautfarben und Sprachen machen. Sie machen nicht mal einen Unterschied zwischen Plüschtier, Tier und Freund. Für Kinder, das erlebe ich als Vater oft genug, ist eine Raupe, die sie gefunden haben, genauso viel wert, wie eine beste Freundin, mit der sie gerade spielen. Unser Anliegen ist es, diese Gabe zu unterstützen und Kindern dabei zu helfen, sie zu bewahren.