Ungleichheit: "Wie jede negative Emotion hat Langeweile auch eine Funktion"
Warum langweilen sich Arme häufiger als Reiche und Mütter öfter als Väter? Die Soziologin Silke Ohlmeier weiß: Die Langeweile in Deutschland ist ungleich verteilt.
Die Soziologin Silke Ohlmeier promoviert zum Thema Langeweile und betont, dass dieses Gefühl nicht nur persönlich, sondern auch strukturell bedingt ist. Sie kritisiert die Vorstellung, dass Langeweile ein persönlicher Makel sei und zeigt auf, wie Einkommen, Bildungsstand und Marginalisierung damit zusammenhängen. Langeweile kann politisch sein, da sie von gesellschaftlichen Normen und Machtverhältnissen abhängt. Ohlmeier erklärt, dass Langeweile eine Funktion hat, uns zum Erkunden und zur Weiterentwicklung zu motivieren, aber chronische Langeweile mit psychischen Problemen wie Depressionen zusammenhängen kann. Menschen mit niedrigem Einkommen und Bildung langweilen sich häufiger, da es ihnen schwerer fällt, Zugang zu befriedigenden Tätigkeiten zu finden. Ohlmeier betont, dass es wichtig ist, Langeweile gesellschaftlich ernst zu nehmen und strukturelle Veränderungen vorzunehmen, um allen Menschen die Möglichkeit zu geben, Langeweile zu überwinden.
Dies ist ein experimentelles Tool. Die Resultate können unvollständig, veraltet oder sogar falsch sein.
"Nur die Langweiligen langweilen sich", schrieb Charles Bukowski. Die Soziologin Silke Ohlmeier findet diese Sichtweise ziemlich arrogant. Sie promoviert zum Thema Langeweile und ist überzeugt, dass dieses Gefühl kein persönlicher Makel ist, sondern auch vom Einkommen, Bildungsstand und Marginalisierung abhängt. Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 10/2023.
ZEITmagazin ONLINE: Frau Ohlmeier, vor Ihrem Studium haben Sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei einem Busunternehmen gemacht. Die Erfahrung der Langeweile dabei hat sie so geprägt, dass sie später anfingen, zu dem Thema zu forschen. Warum haben Sie die Ausbildung damals nicht abgebrochen?