Zuerst fällt die Enge auf, dann die vielen Menschen. 18 Urlauber teilen sich ein Zimmer ohne Trennwände, schlafen in Stockbetten übereinander. Was nach Zuständen wie in einer Legebatterie klingt, ist für die junge Unternehmerin Elvina Beck die Zukunft im Übernachtungsgeschäft. 2012 hat sie PodShare gegründet, Jugendherberge und Airbnb in einem. Mittlerweile gibt es in Los Angeles vier PodShare-Unterkünfte, bis Ende 2017 sollen es zehn sein.

Die Gäste, oder "Podestrians", wie sie hier genannt werden, bezahlen je nach Art der Unterkunft zwischen 30 und 50 Dollar pro Nacht. Neben frei nutzbarem Wlan gibt es bei PodShare kostenloses Essen in Kühlschränken, in den Bädern stehen Duschgel, Zahnpasta und Deo bereit. Jede der rund vier Quadratmeter großen Kojen hat einen Fernseher mit Netflix- und Pandora-Zugang. Zudem gibt es in den Unterkünften Arbeitsräume, in denen professionelle Schnittprogramme wie Adobe Suite oder Final Cut Pro auf modernen Rechnern installiert sind. Passend zur örtlichen Filmindustrie gibt es in der Unterkunft in Hollywood zusätzlich einen Greenscreen und ein Tonstudio.

Elvina Beck sieht in ihrer Erfindung mehr als nur eine billige Unterkunft mit Hippie-Faktor, für sie zählt das Zusammengehörigkeitsgefühl in ihren Unterkünften. "PodShare ist die Rettung für alle Einsamen", sagt sie und lacht. Irgendwie sei dieser Slogan ursprünglich als Witz gemeint gewesen, doch er beinhalte durchaus einen Funken Wahrheit.

Und tatsächlich ist der Grundriss der Unterkünfte so angelegt, dass die Gäste unvermeidlich aufeinander treffen. Jeder Neuankömmling wird von einem Mitarbeiter durch die Räume geführt und den anderen Bewohnern vorgestellt. Dann bekommt er ein Stück Kreide, mit dem er seinen Namen auf eine Tafel neben seiner Schlafkoje schreibt. "Wir ziehen uns nach diesem Rundgang zurück – und die Gespräche der Gäste untereinander gehen ganz von alleine weiter", erläutert Beck.

Rebecca Watson aus Montana ist bereits zum zweiten Mal als Gast hier, sie fühl sich trotz der Enge sichtlich wohl. Durch PodShare habe sie schnell Anschluss zu anderen Menschen gefunden, als sie neu in die große, anonyme Stadt gekommen sei. Sie werde immer wieder eine Koje buchen, dessen ist sie sich sicher.

Gründerin Elvina Beck © Lucas Negroni

Elvina Beck will das Prinzip des größtmöglichen Austauschs unter den Gästen noch ausbauen. Momentan arbeitet sie an einem neuen Buchungssystem, bei dem die Gäste nicht nur ihr An- und Abreisedatum angeben, sondern auch vorab sehen können, mit wem sie sich die Unterkunft teilen werden. Angezeigt werden sollen Alter, Herkunft und Beruf.

Podestrians müssen jedoch vor allem bereit sein, auf ihre Privatsphäre zu verzichten. In den geschlechtlich gemischten Schlafräumen gibt es keine Vorhänge, Gäste werden darauf hingewiesen, dass Sex verboten ist. Wer sich nicht daran hält oder sich erwischen lässt, fliegt raus.