Am Mount Everest ist der berühmte Hillary Step, ein Felsabsatz kurz unter dem Gipfel, abgebrochen. Der nepalesische Bergführer Pema Chhiri Sherpa bestätigte einen entsprechenden Bericht eines britischen Bergsteigers. Der 37-jährige Nepalese war in diesem Jahr Mitglied einer Gruppe, die den Aufstieg bis auf den Gipfel des Mount Everest mit Seilen befestigte. Dabei habe er gesehen, dass der 12 Meter hohe Felsabsatz auf rund 8.760 Metern Höhe nicht mehr vorhanden sei.

Auch der britische Bergsteiger Tim Mosedale bestätigte dem Guardian, dass der Hillary Step abgebrochen sei. "Ein Stück Bergsteigergeschichte ist verschwunden", sagte Mosedale, der am 16. Mai zum sechsten Mal den Gipfel des Mount Everest erklomm. "Auch wer kein Bergsteiger ist, kennt den Namen und den Hintergrund des berühmten Hillary Step."

Die Felsformation war die letzte große Hürde vor dem Gipfel des weltweit höchsten Berges. Bereits 2016 hatte es Spekulationen gegeben, dass sie während eines schweren Erdbebens im April 2015 kollabiert sein könnte. Im vergangenen Jahr ließ sich das wegen schlechter Wetterbedingungen aber nicht bestätigen. Der Hillary Step war benannt nach Edmund Hillary, dem Neuseeländer, der im Jahr 1953 zusammen mit dem nepalesischen Bergführer Tenzing Norgay als erster Mensch den Gipfel des Mount Everest bestieg.

Unklar ist, welche Folgen der Absturz des Hillary Step für den Alpintourismus am Mount Everest hat. "Wir wissen noch nicht sicher, was das in Zukunft für Bergsteiger bedeutet", sagte Sherpa. "Der Hillary Step war steil und nicht leicht zu erklettern. Aber ohne ihn dürfte es deutlich schwieriger werden, Seile dort zu befestigen."

Viele Tote am Wochenende

Am Wochenende starben am Mount Everest mindestens drei Bergsteiger. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde und der tibetischen Bergsteigervereinigung um einen US-Bürger, einen Slowaken und einen Australier. Sie erlagen vermutlich der Höhenkrankheit. Zudem wurde ein indischer Bergsteiger vermisst, sein Begleiter wurde bewusstlos aufgefunden. So viele Tote gab es an dem Berg seit dem Lawinenunglück mit 18 Toten im Jahr 2015 nicht mehr. Insgesamt starben in dieser Saison auf dem Mount Everest damit fünf Bergsteiger, so viele wie in der gesamten Saison 2016. Die kurze Bergsteigersaison im Himalaya dauert von April bis Ende Mai, wenn die Wetterbedingungen am besten sind.

Viele Bergsteiger hatten am Wochenende eine Wetterberuhigung genutzt, nachdem die Saison bislang von wechselhaftem, sehr windigem und ungewöhnlich kaltem Wetter geprägt war. Am Montag wollten sich mehr als hundert Bergsteiger am Südhang des Mount Everest auf den Weg zum Gipfel machen, bevor das Wetter wieder umschlägt.

Eine gute Nachricht kam am Sonntag vom blinden Bergsteiger Andy Holzer. Der Österreicher erreichte mit seinen zwei Begleitern Wolfgang Klocker und Klemens Bichler den Gipfel des 8.848 Meter hohen Berges, wie er auf Facebook mitteilte. "Die Emotionen überschlagen sich", schrieb Holzer. Nach seinen Angaben dauerte der Aufstieg rund zehn Stunden. Für Holzer war es der dritte Versuch, den Gipfel zu erreichen. Der blinde Bergsteiger bezwang nun alle Seven Summits, die höchsten Gipfel der sieben Kontinente.