1. Tag

Wer in den Himmel für Studenten und Bioweintrinker gelangen möchte, muss erst einmal durchs Höllental. Zumindest wenn man mit dem Auto von Tübingen oder vom Bodensee kommt. Im Herzen von Freiburg starten wir in den Tag, wo auf dem wuseligen Münsterplatz von Montag bis Samstag die Markthändler regionales Gemüse feilbieten und sich 
lange Schlangen am Stand von Stefans Käsekuchen bilden, der beste weit und breit. Gern würden wir auf den Turm des Münsters steigen und zum Schwarzwald blicken, doch der Turm ist zwecks Renovierung gesperrt. Dafür erwarten uns im Inneren der prachtvollen gotischen Kathedrale bewegende Meisterwerke, wie der Hochaltar, den der junge Hans Baldung Grien Anfang des 16. Jahrhunderts geschaffen hat. Staunend blicken wir auch auf die mittelalterlichen Glasfenster, die den Zweiten Weltkrieg wundergleich heil überstanden haben.

Danach schlendern wir südwärts durch die Altstadt, stets das sanfte Plätschern der Bächle im Ohr, und besuchen das Museum für Neue Kunst, das uns aus der Idylle reißt. Eine Sonderausstellung widmet sich hier bis 24. September dem Thema Tod im Spiegel der zeitgenössischen Kunst. Valérie Favres "Selbstmord-Serie" variiert berühmte Freitodszenen mit schmutzig-gelbem Farbauftrag, während der 17-jährige Damien Hirst auf einer Schwarz-Weiß-Fotografie lachend neben einem Kopf im Leichenschauhaus posiert.

Wir atmen tief durch, verlassen die Stadt und fahren mit dem Auto in Richtung St. Georgen im Schwarzwald. Die Gegend wird ländlich, die Straße kurvig, und am Drei tälerblick Simonswälder Tal halten wir kurz an, um uns an der tiefgrünen Landschaft zu erfreuen. Dann schnell weiter zur Kunst, denn in St. Georgen wartet mit der Sammlung Grässlin ein Highlight der Reise auf uns. Die über zwei Generationen erworbenen Werke vom Informel über die Neuen Wilden der 1980er bis zur Gegenwart sind an Kunsträumen im ganzen Ort verteilt, sodass man hier Vasen von Tobias Rehberger im Schaufenster eines Hotels oder Martin Kippenberger im Heimatmuseum bewundern kann. Im Kippys, benannt nach dem Malerstar, der ein enger Freund der Familie war, steht Sabine Grässlin selbst am Herd und serviert badische Köstlichkeiten zu bodenständigen Preisen.

Dieser Artikel stammt aus Weltkunst Heft Nr. 133/2017 © Weltkunst Verlag

Nach einer Stippvisite im Deutschen Phonomuseum geht es gestärkt weiter nach Gengenbach, ein malerisches Fachwerkstädtchen im Kinzigtal, das mit der nächsten Überraschung aufwartet. Im Museum Haus Löwenberg ist durch ehrenamtliches Engagement und Leihgaben des Museum Frieder Burda ein außergewöhnlicher Ausstellungsort für Gegenwartskunst entstanden, der zudem mit den Gengenbacher Passionsteppichen textile Meisterwerke der Renaissance verwahrt. Die Abendstimmung genießen wir schließlich bei Rinderbäckle und Rosé auf der malerischen Terrasse des Weinhotels Pfeffer & Salz, während unten am Bach die Grillen zirpen.

2. Tag

Nach einem Blick auf die barocke Stadtkirche St. Marien und die sie umgebende ehemalige Klosteranlage fahren wir weiter nach Zell am Harmersbach, das die Manufaktur der Zeller Keramik mit den typischen Hahn- und Henne-Motiven beheimatet – Schwarzwalddesign gibt es derzeit übrigens auch im Museum beim Markt in Karlsruhe zu sehen. Wir besuchen in Zell das Museum Villa Haiss. 
In einer ehemaligen Unternehmervilla betreibt der Galerist Walter Bischoff seit 20 Jahren ein Privatmuseum für seine Sammlung moderner Kunst vom Informel eines Sonderborg bis zur internationalen Gegenwart. Auch ein Skulpturen garten gehört dazu, schon von Weitem erspäht der Besucher hier unter anderem ein Stück Berliner Mauer.