Feinste Fünfziger: der Eingang zum Kölnischen Kunstverein © picture alliance/dpa

2. Tag

Zeitgleich zur Art Cologne veranstalten die Kölner Galerien ein langes Wochenende. Am 21. und 22. April gelten verlängerte Öffnungszeiten, am Freitag davor eröffnen zahlreiche Ausstellungen. Das bringt halb Köln auf die Beine. Wer lieber in Ruhe unterwegs ist, beginnt den Tag mit einem individuellen Rundgang. Er führt in die Galerie von Daniel Buchholz, der den Fotografen Wolfgang Tillmans groß gemacht hat. Die Räume befinden sich hinter dem ehemaligen Antiquariat des Vaters. Buchholz’ Dependance in der Elisenstraße hat gerade die Galerie Nagel ­Draxler übernommen, die hier am 18. April mit einer Ausstellung des New Yorker Künstlers Egan Frantz eröffnet. Gleich um die Ecke liegt das alte Galerienviertel zwischen Sankt-Apern- und Albertusstraße, wo sich in den Achtzigerjahren die Galerien ballten. Heute sind es weniger, doch auch die jungen Protagonisten bieten ein ambitioniertes Programm. Ein Highlight ist die 1986 gegründete Galerie Gisela Capitain, die Künstler wie Franz West, Zoe Leonard oder Wade Guyton vertritt. Im April zeigt Marcel Odenbach neue Videos.

In unmittelbarer Nachbarschaft sitzt mit dem Kunsthandel Michael Werner noch ein internationales Schwergewicht. Aktuell hängen hier vielfach überarbeitete Landschaftsfotos des in Berlin lebenden Künstlers Jeff Cowen. Gegenüber hat sich im ersten Stock die auf Fotografie spezialisierte Galerie Van der Grinten niedergelassen.

© Hélène Binet/Köln Tourismus GmbH

Mit der Thyssen-Stiftung und dem Kölnischen Kunstverein lockt eine architektonische Perle – ein Gebäudeensemble aus den Fünfzigerjahren, in dem Forschung und Kunst enge Nachbarn sind. Im Kunstverein sind figurative Gemälde des New Yorkers Walter Price zu sehen (bis 17. Juni). Auf der anderen Straßenseite stellt im ebenfalls denkmalgeschützten Riphahn-Bau die Galerie ­Pamme-Vogelsang Werke von Künstlern aus, die es (noch) zu entdecken gilt – etwa die abstrakten Landschaften von Nicole Bold während der Art Cologne. Zwischen den Galerien von Thomas Rehbein, wo die poppigen, erst auf den zweiten Blick provokanten Figurenbilder von Stephan Melzl hängen, und Philipp von Rosen – mit Arbeiten von Markus Huemer – erstreckt sich das Schmitz-Imperium von Dirk Mecky. Kölns erfolgreichster Gastronom hat eine Affinität zur Kunst, und so verwundert es wenig, dass in seinen schönen Läden vom Salon bis zur Bar viele Künstler verkehren und außerdem regelmäßig Ausstellungen stattfinden. Kulinarisch gibt es hier alles: vom raffinierten Snack bis zum mehrgängigen Menü.

Unermüdliche gehen noch in die Lindenstraße, wohin gerade erst die Galerie Delmes & Zander, Spezialist für Out­sider-Kunst, gezogen ist. Gegenüber hat vor wenigen Monaten ­Norbert Arns, lange Mitarbeiter des Malers Gerhard Richter, ­seine Räume eröffnet. Nach einer Pause im legendären Café ­Central, das in den Neunzigerjahren das zweite Wohnzimmer von Martin Kippenberger war, orientiert man sich in Richtung Belgisches Viertel, wo im Hinterhof die Galerien Martinetz und Hardhitta sitzen – letztere mit Schwerpunkt auf Fotografie und vom Verlegersohn Bene Taschen gegründet. Zwischen den Galerien Natalia Hug, Jan Kaps und Clages liegt das Sterne-Restaurant L’escalier, in dem der Abend bei deutsch-französischer Küche ausklingen kann. Aber bloß noch bis Juni, der Küchenchef hat neue Pläne.