1. Tag

Es gibt kaum einen zweiten Ort in Deutschland, wo man so tief in die Geschichte hinabsteigen kann. Und noch dazu in eine so imposante. Trier ist heute drittgrößte Stadt von Rheinland-Pfalz, vor 1.700 Jahren war es die zweitgrößte Stadt Westroms. Günstig gelegen in einer Talmulde der Mosel, erlebte die um 15 vor Chr. gegründete Ortschaft als Umschlagplatz für die Militärposten am Rhein einen schnellen Aufstieg bis hin zur römischen Kaiserresidenz. Unser Streifzug beginnt bei einem der Zeugnisse dieser Blütezeit: Die Porta Nigra ist die größte erhaltene römische Torburg weltweit, einzigartig durch ihre palastartige Außengestaltung. Im Mittelalter wurde sie in eine Stiftskirche umgebaut, benannt nach dem heiligen Simeon, der sich als Einsiedler im Nordturm hatte einschließen lassen. Napoleon wollte sie dann wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt als Stadttor sehen. Im Stadtmuseum Simeonstift direkt daneben kann man die Epochen der Stadtgeschichte nachvollziehen.

Wir spazieren weiter Richtung Hauptmarkt, dessen in der Renaissance begonnene Bebauung sich zu größeren Teilen erhalten hat bzw. rekonstruiert wurde. Ein Blick lohnt sich auf die Steipe, die 1430 als Fest- und Empfangshaus der Trierer Bürgerschaft errichtet wurde, und heute das empfehlenswerte Café Mohr beherbergt. Weiter geht es linkerhand Richtung Dom und Liebfrauenkirche. Der Dom St. Peter ist eines der ältesten sakralen Bauwerke, zurück geht er auf eine Schenkung von Kaiserin Helena, der Mutter Konstantin des Großen. Sie überließ Anfang des 4. Jahrhunderts ihren Palast dem ­Trierer Bischof zum Bau einer Kathedrale. Spannend ist es, sich mit den vielfachen baulichen Wandlungen dieser ältesten deutschen Bischofskirche zu beschäftigen, in der der "Heilige Rock" als verschlossene Reliquie aufbewahrt wird.

Dieser Artikel stammt aus Weltkunst Heft Nr. 140/2018 © Weltkunst Verlag

Bestaunen lässt sich hingegen im Museum am Dom gleich nebenan ein Kunstwerk, vor dem sich Rom Besucherschlangen bilden würden: Es ist die bemalte Kasset­tendecke eines spätantiken Festsaals, die bei Grabungen im Trierer Dom entdeckt wurde und 15 großformatige Fresken mit Porträts reich gekleideter Männer und Frauen in leuchtenden Farben zeigt. Archäologen sind sich noch immer uneins, ob sie reale Personen darstellen oder Allegorien von Glück, Wohlstand und Weisheit sind. Ein ebenso eindrucksvolles antikes Erbe ist die Basilika in unmittelbarer Nähe. Die 67 Meter lange und 27 Meter breite Audienzhalle Kaiser Konstantins bringt einem die Dimensionen des antiken Weltreiches atemberaubend nahe, vor allem im Kontrast mit der nun eher piefigen Umgebung. Von dort sind es nur ein paar Schritte bis zum Rheinischen Landesmuseum, einem der besten deutschen archäologischen Museen, und zu den Kaiserthermen, wo sich die Expedition in die Römerzeit noch ausweiten lässt.

Viele Jahrhunderte später streifte Trier dann nochmals die Weltgeschichte. 1818 kam hier Karl Marx zur Welt, der Theoretiker, dessen Ideen Revolutionen entfachten. Sein Geburtshaus im historischen Stadtkern, in dem die Friedrich-Ebert-­Stiftung ein Museum betreibt, wird gerade renoviert und zum 200. Geburtstag des kommunistischen Propheten am 5. Mai wiedereröffnet.

Gut essen kann man hier auch: Das urige Zur Glocke in der Altstadt und die gehobene Küche auf Schloss Monaise ­lassen keine Wünsche offen.