Von hinten pirscht sich die japanische Riesenkrabbe heran, stößt mit ihren meterlangen, knallorangen Beinchen an die Scheibe. Vorne zieht ein Walhai, der größte Fisch der Welt, majestätisch seine Runden. Dazwischen stempeln sich Kinder ihre nackten Oberarme voll. Die europäischen, versteht sich, während die japanischen Besucherkinder brav in Reih und Glied stehen, um ein Wassertier in ihre kleinen Wissensmäppchen zu stempeln, die sie beim Eintritt in dieses riesige Aquarium bekommen haben.

Auf 16 Stockwerken tummelt sich im Kaiyukan Aquarium in der japanischen Stadt Osaka, dem größten Aquarium in ganz Asien, so gut wie alles, was im und um das Wasser lebt: Rochen, Seerobben, Delfine und Riesenfische.
Parallel dazu prallen unterschiedliche Kulturen in Kinderschuhen auf einander. Während es die eigenen Kinder total lustig finden, sich die Arme mit den Stempeln zu "tätowieren", sind Tattoos in Japan bis heute verpönt. Wer mit Tribal-Muster am Arm verreist, wird zum Beispiel in Japan nicht ins Schwimmbad gelassen, geschweige denn in einen Onsen, ein traditionelles japanisches Bad. Weil in Japan aber Höflichkeit über allem steht, schauen die zahlreichen japanischen Besucher des Aquariums nur teilnahmslos-gütig auf die bestempelten europäischen Wesen, die sich kichernd auf dem Teppichboden kugeln. Selbst wenn sie sich durch das Kinderlachen gestört fühlen, würden sie es die Gäste nie merken lassen. Das ist wohl einer der Gründe, warum es so angenehm ist, einen Familienurlaub in Japan zu verbringen.

Wieso denn ausgerechnet Japan? Ist das nicht zu viel von allem für die Kleinen? Zu weit weg, zu grell, zu laut, zu bunt, zu verrückt? So lauteten die Reaktionen im Freundeskreis, als wir von unseren Reiseplänen erzählten: Mit drei Kindern, drei, acht und zwölf Jahre alt, drei Wochen lang durch Japan reisen, von Osaka über Hiroshima, die alte Kaiserstadt Kyoto, ins riesige Yokohama und zum Schluss auch noch nach Tokio, die Hauptstadt mit mehr als neun Millionen Einwohnern.

Unter Erwachsenen gilt Japan schon seit Längerem wieder als Traumdestination. Der Schrecken des Tsunamis und des darauf folgenden Atomunfalls im Kernkraftwerk Fukushima 2011 sind fast vergessen. Seit einigen Jahren steigt die Zahl ausländischer Touristen massiv an, 2017 waren es mehr als 28 Millionen Besucherinnen und Besucher. Für Familien ist Japan dennoch ein echter Geheimtipp. Dabei ist das Land das perfekte Reiseziel mit Kindern zu jeder Jahreszeit. Hier trifft Exotik und fremde Kultur auf höchste Sicherheit.

Auf dem Globus sieht Japan ziemlich klein aus. Tatsächlich erstreckt sich das Land mit seinen vielen, vielen Inseln aber so weit, dass man auf der nördlichsten Insel Hokkaido Ski fahren kann, während Urlauber auf der tropischen Inseln Okinawa im Süden den Badeanzug auspacken. So weit sind wir aber nicht gekommen. Schließlich bietet auch das japanische Festland genug für einen dreiwöchigen Familientrip. Zum Beispiel Zug fahren. Während sonst bei Familienausflügen schnell die gelangweilte Frage "Wann sind wir endlich da?" kommt, ist in Japan schon der Weg das Ziel. Die hochmodernen Shinkansen-Züge zischen wie Pfeile durch die Landschaft. Dazu noch eine Bento-Box, die es in jedem Bahnhof in unendlichen Variationen zu Kaufen gibt. Die in der Box untergebrachten Speisen sind so kunstvoll angerichtet, dass es auch den Kindern Spaß macht, während der Zugfahrt mit den Stäbchen die einzelnen Stücke aus der Box zu angeln. Und der Zugbegleiter kontrolliert auch nicht einfach nur die Tickets, sondern verbeugt sich am Anfang des Waggons vor allen Zuggästen, bevor er um die Fahrkarten bittet. Möglich macht das viele Herumreisen, der relativ günstige Japan Rail Pass, eine Art Interrail auf Japanisch, bei dem man für 219 (sieben Tage) oder 335 Euro (14 Tage) mit Hochgeschwindigkeitszügen quer durchs gesamte Land reisen kann.