Bei der Annullierung von Flügen müssen Unternehmen ihren Kundinnen und Kunden den kompletten bezahlten Preis samt Vermittlungsgebühren von Dritten erstatten, wenn sie von dieser Provision wussten. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden. Demnach ist die Fluggesellschaft dazu verpflichtet, den Preis eines Tickets, das über ein Flugbuchungsportal wie Opodo gekauft wurde, komplett zu erstatten. Also auch die Vermittlungsgebühr, die die Airline nicht eingenommen hat, da sie vom jeweiligen Portal einbehalten wurde.

Warum entschied der EuGH?

Eine Familie aus Hamburg hatte vor dem dortigen Amtsgericht geklagt. Im November 2015 hatte sie auf einer Plattform einen Flug für 1.108,88 Euro nach Faro in Portugal gebucht, der allerdings annulliert wurde. Die Fluggesellschaft war bereit, zusätzlich zur Entschädigung den Betrag zu erstatten, den sie tatsächlich erhalten hat. Sie weigerte sich jedoch, die vom Vermittler einbehaltene Differenz von 77 Euro zu erstatten. Das Amtsgericht Hamburg rief den EuGH an, um zu erfahren, welcher Betrag nach der EU-Fluggastrechteverordnung zu erstatten ist.

Mit dem Urteil stellte der EuGH fest, dass die Erstattungssumme laut EU-Fluggastrechteverordnung auch die Vermittlungsgebühren an Dritte beinhaltet. Durch diese Auslegung der EU-Fluggastrechteverordnung werde ein hoher Schutz für Reisende gewährleistet. Ob die Fluggesellschaft im vorliegenden Fall aber von der Provision wusste, war nicht Gegenstand der Verhandlung – das muss jetzt das Amtsgericht Hamburg prüfen.