In Warnemünde haben an der Kaimauer Kutter dauerhaft festgemacht, die für den kleinen Hunger Fischbrötchen auf die Hand verkaufen. Kapitänshäuser sorgen für maritimes Flair. Dazwischen liegt am Strom Nr. 53 das Edvard-Munch-Haus. Der Expressionist wohnte hier 1907 bis 1908 und erlebte in den 18 Monaten eine enorme Schaffensperiode, wie eine Dokumentation belegt.

Weiter in Richtung Hafeneinfahrt ragt der Leuchtturm von 1898 auf, das Wahrzeichen von Warnemünde. Das Seefahrerlicht geht mit dem muschelförmigen Gebilde namens Teepott aus dem Jahr 1968 daneben eine ungewöhnliche bauliche Synthese ein. Mit kulinarischen Höhepunkten im Sternerestaurant Der Butt am Jachthafen endet ein ereignisreicher Tag.

2. Tag

Kommt die Turmspitze der Wustrower Kirche ins Bild, bedeutet das Ankunft auf einem Sehnsuchtsflecken. Fischland-Darß-Zingst, so heißt er, ist eine 45 Kilometer lange, leicht gebogene Landzunge. Der hohe Ausguck dankt das Erklimmen mit einem aufregenden Panoramablick über die Lagunenwelt: Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft schützt Salzwiesen, Priele und Seen bis zum offenen Meer. Bizarre Kiefern markieren den Strand. Kraniche, Säbelschnäbler und Seeadler kommen in Scharen wie auch Künstler und Zivilisationsflüchtlinge.

Und dann Ahrenshoop, ein Dorf wie gemalt. Reetdachhäuser ducken sich zwischen Wiesen und Wegen, von Sturm und Sonne gezeichnete Dünen trumpfen vor Meereswellen auf. Eine inspirierende Landschaft, die Ende des 19. Jahrhunderts bei Leuten, die selten ohne Staffelei und Pinsel ins Freie gingen, in Mode kam. Der malerische Wechsel zwischen Küste, Wald und Dörfern zog sie an, zum Beispiel Paul Müller-Kaempff, der als Initiator der Kolonie gilt. Künstlerinnen wie Elisabeth von Eicken und Anna Gerresheim prägten sie maßgeblich. Gemälde aus der großen Zeit der Künstlerkolonie bis zum Ersten Weltkrieg, aber auch aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommen schon seit Jahrzehnten jeden Sommer bei den Ahrenshooper Kunstauktionen in der Strandhalle zum Aufruf.

Dem kreativen Schaffen von heute widmet sich das Neue Kunsthaus Ahrenshoop mit vier bis sechs Ausstellungen im Jahr. Dabei arbeitet man eng mit dem Künstlerhaus Lukas zusammen, das Stipendien für junge Künstler aus Nordeuropa vergibt. Ab 9. Juni sind im Neuen Kunsthaus künstlerische Positionen zu sehen, die sich mit von Migration geprägten Familienbiografien auseinandersetzen.

Die Architektur des Kunst­museums Ahrenshoop ist preisgekrönt. © Voigt/​Kranz

Ein weiterer kultureller Leuchtturm ist das Kunstmuseum Ahrenshoop. Vor vier Jahren wurde der Neubau aus fünf aneinandergefügten Körpern eröffnet, eine preisgekrönte Konstruktion von Staab Architekten Berlin. Außen ist sie der ortstypischen Bauweise rohrgedeckter Fischerkaten nachempfunden. Hinter den Fassaden aus Baubronze ist die Freilichtmalerei der Künstlerkolonie Ahrenshoop zu bewundern, aber auch ihre Wirkung auf die spätere Moderne – wie Alexej von Jawlensky, George Grosz und Lyonel Feininger belegen. Die Räume konzentrieren sich bis zum 8. September auf die Künstlerfreundschaft von Gerhard Marcks und Alfred Partikel. Ob man danach ein Salzwiesenlamm oder lieber am Nachmittag die Friesentorte isst – das Namenlos versteht sich auf beides.

Knallblaue Türen und Wände. Der Kunstkaten im Strandweg ist die erste Galerie im Ort. Schon als sie 1909 gegründet wurde, sollte sie Künstler und Käufer zusammenbringen. Bis Juli sind noch Grafiken von Ernst Lau zu sehen. Am Darßer Ort wendet sich der Landstrich wie ein Bumerang gen Osten. Im Knick wuchern ein urwaldähnlicher Wald und Birkenhaine, wie Elisabeth von Eicken sie gern porträtierte. Nach der Wanderung stärken wir uns im Ginger, dem ehemaligen Haus der Malerin in Ahrenshoop.

3. Tag

Kaum ein historisches Ensemble ist so lebendig überliefert wie die Stadt am Strelasund. Auf mehr als achtzig Hektar sind 811 denkmalwürdige Gebäude, Gassen und Plätze zu meistern. Fürs Erste genügt es, den Kirchturm von St. Marien zu besteigen, um einen Überblick zu gewinnen. Hier zeigt sich die Lage auf einer Halbinsel und ein Gesamtkunstwerk aus acht Jahrhunderten. Das hielt die Unesco für schutzwürdig: Stralsund repräsentiert im Duett mit Wismar die entwickelte Hansestadt aus der Blütezeit des mächtigen Städtebundes im 14. Jahrhundert.