Ein großes Kreuzfahrtschiff hat in Venedig eine Anlegestelle gerammt und ist mit einem Touristenboot zusammengestoßen. Nach Medienberichten wurden mehrere Menschen verletzt. Das Unglück ereignete sich am Sonntagmorgen im zentralen Kanal von Giudecca an der Haltestelle San Basilio, wie die Feuerwehr mitteilte.

Auf einem Video ist zu sehen, wie das Kreuzfahrtschiff mit lautem Sirenengeheul Richtung Anlegestelle fährt und Menschen an Land in Panik davonlaufen. An Bord des Ausflugsschiffs River Countess sollen rund 130 Menschen gewesen sein. Auf der MSC Opera haben mehr als 3.500 Menschen Platz. Die Ursache des Unglücks war zunächst unklar. Spekuliert wurde, dass das Tau eines Schleppers gerissen sei oder dieser die Kontrolle über das Kreuzfahrtschiff verloren habe.

Seit Längerem wird über die Kreuzfahrtschiffe in der Unesco-Welterbestadt gestritten. Kritikerinnen und Kritiker wollen sie aus Umwelt- und Denkmalschutzgründen komplett aus Venedig verbannen. Bisher fahren sie im Kanal von Giudecca direkt entlang der Sehenswürdigkeiten wie dem Markusplatz.

Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, erklärte, das Unglück sei "der x-te" Beweis, dass in dem Kanal keine Kreuzfahrtriesen mehr fahren sollten. Auch Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli erklärte, die Stadt müsse besser geschützt werden.

Geplant ist, dass die besonders großen Kreuzfahrtschiffe eine weniger spektakuläre Route um die Stadt fahren und in der Industriegegend Marghera anlegen. Über dieses Projekt wird allerdings seit Jahren debattiert. Die Unesco hat Venedig bereits gewarnt, dass die Riesenschiffe den Status des Welterbes gefährdeten. Umweltschützer sorgen sich um das besondere Ökosystem der Lagune. Unternehmer wie etwa Kreuzfahrtanbieter haben dagegen aus wirtschaftlichen Gründen ein Interesse an Venedig als Anlegepunkt.