20 Minuten Umstieg = perfekt!

Blöd sind die Zugenden allein, wenn der Zug mal wieder in umgekehrter Reihung einfährt. Hier, wie auch in vielen anderen Fragen des entspannten Reisens, gilt: Auf die richtige Umsteigezeit kommt es an. Wer immer mit zehn Minuten oder weniger kalkuliert, muss sich bei der Deutschen Bahn (leider) nicht wundern, wenn er die Hälfte der Zeit Züge knapp verpasst und die andere Hälfte Angst davor hat, Züge knapp zu verpassen. Wer in vorauseilender Panik 30 Minuten plus X als notwendige Umsteigezeit berechnet, wird die Reise insgesamt als eine zähe Angelegenheit wahrnehmen. 20 Minuten aber sind – sofern machbar – eine königliche Zeit. Bei der klassischen Zehn-Minuten-Verspätung des ersten Zuges schafft man es auch in großen Bahnhöfen noch halbwegs bequem von Gleis 10 zu Gleis 1. Und bei Verspätung des zweiten Zuges sitzt man nicht stundenlang fest. Bei pünktlichen Zügen (so selten sind die ja nun auch nicht) taugen 20 Minuten genau dafür: mit noch etwas Zeitpuffer am Gleis sein, sich kurz orientieren (im Zweifel auch im Gespräch mit dem immer hilfsbereiten und meistens sogar freundlichen Bahnsteigpersonal), wo der eigene Wagen nun tatsächlich hält. Und dann einfach einsteigen.

Vertrauen Sie keinem Bahn-WLAN!

Wenn Sie einen ganzen Großraumwagen an Ihren Erziehungsskills teilhaben lassen wollen, brauchen Sie natürlich ohnehin keine elektronischen Medien. Wenn Sie aber zur Fraktion gehören, die im Sinne der Allgemeinheit im Zug auch mal Fünfe gerade sein lässt und mit reichlich Fanta, Gummibärchen und eben YouTube-Filmchen (natürlich nur über Kopfhörer) dafür sorgt, dass die Kinder so ruhig wie möglich sind, dürfen Sie nicht mit dem Zug-WLAN rechnen. Besser, Sie laden sich den Rechner vorher voll mit lokal gespeicherten Maus-, Bibi-Blocksberg- und PJ-Masks-Folgen, denn nichts ist für alle Anwesenden frustrierender und nervenzehrender, als wenn plötzlich nur noch der Ladekreis rotiert.

Know your Buggy!

Die Bahn hat zu wenig Platz für Fracht? Vielleicht sind monströse Hartschalenkoffer und Fünfzigerjahre-Retrokinderwagen auch einfach nicht die idealen Gepäckstücke. So zum Beispiel geht es aber sehr gut: Babys in die Trage, kleine Kleinkinder in den mit einem Griff faltbaren Billig-Buggy, größere bekommen für längere Fußstrecken (zum Beispiel von der U-Bahn zum Bahnhof) einen Klapproller. Ein solider Rucksack mit Hüft- und Brustgurt, fertig ist ein Reisegepäck, mit dem körperlich gesunde Menschen gut zurechtkommen sollten und für das sich auch in engen Doppelstockwagen noch ein Platz findet. Das ist natürlich mit Anschaffungskosten verbunden, hält aber ewig beziehungsweise lange genug. Und, wie gesagt: Auto, Inspektion.

Verteilen Sie Kindersitze im Land!

Bekannte fragen, ob Sie noch eine Autositzerhöhung brauchen, und Sie sagen stolz "Nein, wir sind jetzt autofrei"? Vor der Stammkneipe liegt ein intakter Maxi-Cosi im Gebüsch (soll in Berlin schon vorgekommen sein) und Sie denken stolz "Ach, wir sind ja jetzt autofrei"? Ganz falsch. Denn die Achillesferse jeder Bahnreise in verkehrsinfrastrukturschwächere Regionen ist natürlich der Transport vom Bahnhof zur Unterkunft. Eltern und Schwiegereltern sind nicht immer auf alle Eventualitäten vorbereitet und lokale Taxiunternehmen gern mal saumäßig schlecht ausgestattet. Darum schadet es nie, auf den Standardrouten schon ein bisschen Sitzmaterial zu hinterlegen. Und wenn Sie mal in unbekanntere Regionen reisen, gilt für Sitze wie für sonstiges: Ein Paket ist schnell vorweggeschickt.

Planen Sie mit der Dummheit der anderen!

Die größte Last beim entspannten Reisen sind die anderen Reisenden. Wenn schon 20 Minuten vor Ankunft des Zuges der Gang voller Rentner mit Riesenkoffern steht, kann es Ihnen tatsächlich passieren, dass Sie mit Buggy, drei Rucksäcken und zwei schlafenden Kindern im Zielbahnhof nicht rechtzeitig an der Tür sind, ehe ein nachgerade kafkaesker Gegenstrom der Einsteigenden einsetzt. Darum, es hilft leider nichts: Seien Sie immer der größte Rentner! Bauen Sie den Buggy schon lange vor Ihrem Halt im Türbereich auf und legen Sie den großen Rucksack hinein! Seien Sie dann zeitig an der Tür, die Kinder können sich dort noch ein bisschen stillvergnügt und konzentriert auf das baldige Ende der Reise freuen und – das ist ja ohnehin das Größte – im Bahnhof den Knopf drücken.

60 Minuten sind keine Verspätung!

Ja, es passiert – gerade, wenn man von einem (tendenziell unpünktlicheren) Fernzug in einen (tendenziell pünktlicheren) Regionalzug umsteigen muss: Der Anschluss wird verpasst, der nächste Zug fährt erst eine Stunde später. Man kann dann 50 Minuten lang vor Wut dampfend am Gleis stehen, oder einfach – viel besser als im Stau – Pause machen. Bahnhofsmissionen können tolle Orte sein, auf Vorplätzen lässt sich rennen, in Passagen noch eine fehlende Hose kaufen. Es gibt sogar Städte, die für Kulturinteressierte eine sehr große Kirche in Gleisnähe platziert haben. Der Urlaub beginnt schon auf dem Weg.

Bonus-Tipp: Don’t be an asshole!

Über Lautsprecher wird die Verspätung mit einem Personenschaden oder einem Notarzteinsatz im Gleis begründet und Sie schimpfen weiter laut auf die "Kack-Bahn"? Das ist verroht.