Den Hügel hinunter weitet sich der Blick, und da ist noch immer der Fluss. 1926 kam Daphne du Maurier hier in der Kutsche mit ihrer Familie an, 19 Jahre alt, das Herz eng, voll einer Sehnsucht, die sie nicht benennen konnte. Sie war kaum ausgestiegen, da verliebte sie sich in das Dörfchen Bodinnick am Fowey River, mit Blick auf die grauen Dächer von Fowey auf der anderen Flussseite, auf die Fischerboote an ihren Bojen und die Lastschiffe mit Porzellanerde, die vorüberzogen. "In der Luft schwebte ein Geruch von Teer und Tauen und verrosteten Ketten", schrieb sie später, "ein Geruch von Flut." 

Nach wilden Heckenrosen duftet es jetzt, im Sommer. Ihr Haus Ferryside steht noch immer hier in Bodinnick, genau neben der Biegung, an der die Kutsche hielt. In jenem Sommer 1926 hatten die Eltern du Maurier es als Ferienhaus gekauft, auch auf Drängen ihrer Tochter hin. 

Heute wohnt hier Daphnes Sohn Christian Browning, das jüngste ihrer drei Kinder. Im zweiten Stock ist das Fenster zu erkennen, hinter dem sie ihre ersten Romane schrieb und von dem aus sie 1932 Frederick Browning beobachtete, den jungen Major, der ihr Mann werden sollte, wie er den Fluss in seinem Motorboot auf und ab fuhr, um sie zu erspähen. Die junge, aufstrebende Schriftstellerin.

Dieser Artikel stammt aus MERIAN Heft Nr. 09/2017 © MERIAN

Es gibt ein Foto von ihr aus jener Zeit, in einem Ruderboot vor Ferryside. Sie ruderte wie ein Mann, kräftig an den Riemen ziehend, mit hochgeschobenen Ärmeln. Oft ging sie in den Wäldern rund um Fowey spazieren, am liebsten bei Regen, bei Nebel. Den Sturm aus Südwest erwartend, mit der Hand durch ein Meer aus Blauglocken streichend. Das Wetter konnte sie so gut vorhersagen wie die Einheimischen.

Cornwall ist kantig und wild und sanft, in seinem Wesen widersprüchlich, und vielleicht hat sich Daphne du Maurier deswegen so erkannt gefühlt, die Frau, die als Mädchen ein Junge sein wollte und später als Mutter so gern allein auszog. Eine Streunerin.

Cornwall hat sie begriffen wie ein Versprechen. "Ein Land, gekannt und geliebt in all seinen Stimmungen, ist mit dem Gewebe des Lebens verknüpft, ist etwas, mit dem man eins wird", hielt sie fest – und niemand hat über die Legenden dieses Landes so geschrieben wie sie. Für das Buch, das sie über dieses Land verfasste, arbeitete sie mit ihrem Sohn Christian zusammen. Es erschien 1967 unter dem Titel "Vanishing Cornwall". Am besten liest man es im Winter, mit einem Grog in der Hand und einem Kaminfeuer nahebei, lässt sich von du Maurier die Geschichten der Zinngießer und Schmuggler erzählen, die Mythen um Artus und Camelot, die Erinnerung an ihre eigene Kindheit.