Weiter mit dem Bus, weiter auf der Weinstraße, das gelbe Schild mit den stilisierten Weintrauben weist den Weg. In den Dörfern wird es eng für das Gefährt, ein Sportwagen kreuzt, ein Traktor steht im Weg. Macht nichts, dann dauert es halt ein bisschen länger.

Mein nächster Halt ist Rhodt unter Rietburg – ein Weindorf wie aus dem Bilderbuch. Schmucke Winzerhöfe reihen sich aneinander, ausladende Kastanienbäume wachsen in den Himmel, der Geruch eines Holzfeuers liegt über dem Ort. Eine schmale, türkisfarbene Tür führt in ein Café, alle Tische sind belegt. Dass es hier unglaublich leckere Kuchen gibt, hat sich herumgesprochen. Am besten geht die "Scharfe Lola", eine Schokoladentorte mit Chili, benannt nach Lola Montez, die ein Verhältnis mit dem bayerischen König Ludwig I. hatte.

Eben dieser Ludwig ließ sich oberhalb des Orts im 19. Jahrhundert eine Sommerresidenz bauen, die klassizistische Villa Ludwigshöhe. Die hübsche Straße, die bergan führt, heißt Theresienstraße – nach Ludwigs Ehefrau. Im Hinterhaus des Cafés Ludwig 1 haben Karin und Steffen Breuner ein Boutique-Hotel eröffnet und es "Zweite Heimat" getauft. Mein Appartement heißt "Pfälzer Wald". Eine riesige Fototapete zeigt die hügeligen Wälder, eine Sofalandschaft mit tannengrünen Bezügen wurde passgenau in die Fensternischen eingebaut. Die Breuners haben alles selbst angefertigt, mit mehr Detailliebe kann man eine Ferienwohnung kaum einrichten. Solch eine Unterkunft hätte ich eher in Berlin-Mitte oder in New York erwartet.

Karin Breuner arbeitete lange als Grafikerin in Werbeagenturen, bevor sie sich mit dem Café und dem Gästehaus in Rhodt selbstständig machte. "Es war uns wichtig, dass alles so wird, wie wir uns das vorgestellt haben", sagt sie. Genauso wichtig war es ihnen aber auch, dass ihr Hotel genau hier entsteht. "Das ist unsere Heimat, hier möchten wir etwas bewegen",sagt Breuner.

Neues ausprobieren, das ist auch die Aufgabe der Wissenschaftler auf dem Geilweilerhof, etwas außerhalb von Siebeldingen. Dort, im Institut für Rebenzüchtung, entstehen neue Weinsorten mit Rebpflanzen, die unempfindlicher gegen Schädlinge oder Pilzbefall sind. Hinter bodentiefen Fenstern sieht man die Pflanzen unter den Wärmelampen, ein Lehrpfad erklärt die Arbeit der Forscher. Die Weine, die hier entstehen, kann man auch kaufen. Solange die Rebsorten noch nicht zugelassen sind, tragen sie bloß Kürzel als Namen. Ich wähle eine Flasche "Gf.Ga-52-42", der Literwein kostet keine drei Euro. "Schmeckt wie ein Riesling", verspricht mir die Frau hinter der Theke.

Geschwungener und weicher werden die Weinberge. Bald schon nähert sich Schweigen-Rechtenbach, am Deutschen Weintor stoppt der Bus. 1936 wurde das wuchtige Stück Architektur in nur acht Wochen erbaut, das Hakenkreuz, das es zierte, hat man nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Mauerwerk geschlagen.


Ich gehe in die Hauptstraße, zum Weingut Jülg. Man hatte es mir unterwegs – wie so vieles – empfohlen. Der Dielenboden knarrt, als ich die Wirtschaft betrete, im Kachelofen prasselt das Feuer. Alle Tische sind belegt, eine ältere Frau winkt mich an ihren Platz. "Setzen Sie sich zu mir", sagt sie – und erzählt, dass ihre Freundinnen gerade noch das Weintor besichtigen, dass es sie aber immer nur hierher ziehe, zu den Jülgs. Ich frage sie, was ich zum Essen bestellen soll, und sie schiebt mir ihren Teller mit den Bratkartoffeln herüber. "Probieren Sie", sagt die Frau. "Und dazu passt ein Crémant."