So sorgt sich mancher hier mittlerweile mehr darum, was passiert, wenn die Mieten weiter steigen werden. Seitdem Preise von einer Million Euro für den Kauf einer 140-Quadratmeter-Wohnung verlangt werden, wird im Bahnhofsviertel heftig über Gentrifizierung diskutiert. Denn am Ende, so befürchtet man, könnte die Vielfalt, das Multikulti-Flair, verschwinden.


Wer als Gast kommt, wird von solchen Ängsten kaum etwas spüren. Neben der sexiness, die schon die New York Times rühmte, wird er vielmehr einen fast weltstädtischen Charme entdecken. Die Kaiserstraße etwa, dieser von hohen Laubbäumen gesäumte Boulevard zwischen Bahnhof und Innenstadt, hat sich beachtlich herausgeputzt. An der Ecke zur Elbestraße, wo bis vor wenigen Jahren Gebäude leer standen und Billigmärkte vorherrschten, steht heute ein luxuriöses Geschäfts- und Wohnhaus. Und wer über die breiten Gehwege flaniert, kommt an immer mehr neuen schicken Restaurants vorbei.

Eines davon ist das Eat Doori. Kanwal Gill eröffnete das indische Restaurant im Herbst 2015 zusammen mit zwei Partnern – in den Räumen, in denen seine Eltern noch ein halbes Jahr zuvor Stoffe und indische Kleidung verkauft hatten. Heute steht am Eingang ein Warentisch, der an den typischen Gemüsewagen auf den indischen Straßen erinnern soll. Ein Waschbecken gegenüber der Bar symbolisiert, dass in Indien mit der Hand gegessen wird. Und die Toiletten sehen aus wie indische Züge.

Gills Mutter und Vater stammen aus Indien, er selbst ging im Bahnhofsviertel in den Kindergarten. Als er acht war, zog die Familie in einen Frankfurter Vorort; seine Eltern pendelten zur Arbeit ins Quartier um die Kaiserstraße. Kanwal Gill studierte später in London, arbeitete in der Immobilienfinanzierung und ist nun mit seinem Restaurant zurück in den Straßen seiner Kindheit. "Die Gegend ist im Aufwind", sagt er. "Vor einigen Jahren haben sich manche nicht hierhergetraut – heute kommen alle."